In der Bücherbucht

In Reiseführern über Italien wird quasi nie erwähnt, dass es in jeder größeren Stadt wunderbare Bücherläden gibt. So findet man in Neapel zwischen Piazza Bellini und Piazza Dante eine Gasse, die Via Port’Alba, voll mit kleinen Schatzkammern. Dort in einem etwas größeren Geschäft gab es gestern auf der zweiten Etage eine besondere Lesung, direkt für Kinder. Eine zierliche Frauenstimme rezitierte dort neapolitanische Märchen, die Kinder lauschten ihr und die Mütter hatten mal eine gute halbe Stunde um sich zu entspannen.
Als Gegenmodell zu den kleinen Bücherstuben stehen die Filialen von Feltrinelli, der italienischen “Thalia”. Diese Kette entwickelte sich aus dem gleichnamigen Verlag in den 50er Jahren heraus. Ähnlich wie Einaudi hatte dieser Verlag eine starke führende Hand, Giangiacomo Feltrinelli, welcher die Arbeit als Verleger auch als politische Tat begriff: Cambiare il mondo con i libri, combattere le ingiustizie con i libri (Mit Büchern die Welt verändern, mit Bücher die Ungerechtigkeiten bekämpfen). Und tatsächlich, wenn man in eine Filiale von Feltrinelli hineinspaziert, spürt man intensiv dieses Engagement. Im Gegensatz zu vielen deutschen Büchergeschäften liegen philosophische Werke und gehobene (internationale) Belletristik nicht in einer verwinkelten Ecke, sondern springen dem Besucher direkt ins Auge. Im Geschäft in Perugia waren sogar die Wände mit Autoren-Portraits im Andy-Warhol-Stil verziert. Wo findet man so etwas in Deutschland?

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  1. #1 von filo am Februar 15, 2012 - 7:48 vormittags

    Ach was, Feltrinelli ist nun mehr consumismo puro, hat nichts mehr mit dem anfänglichen Engagement zu tun!!! Nun ist es ein Büchersupermarkt wie Mondadori und alle diese Supermärkte vernichten die kleinen Buchhandlungen. So ist es, pseudokünstlerische Verzierungen hin oder her…

    • #2 von Stefan am März 22, 2012 - 9:50 vormittags

      Sicherlich steckt da eine kommerzielle Komponente dahinter, aber wenn man das mit Thalia in Deutschland vergleicht, würde ich immer Feltrinelli nehmen. Bei den Thalia-Filialen ist nichts vom intellektuellen Charme einer Buchhandlung zu spüren, auch im Gegensatz zu “De Slegte” in den Niederlanden, einem grandiosen Ort zum Schmökern.

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