Stefan
Ich bin seit Oktober 2009 Fremdsprachenassistent für Deutsch an einer Schule in der Emilia Romagna.
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Mal mündlich
Veröffentlicht in Im Klassenraum am Mai 1, 2013
Meine EF Italienisch schreibt im vierten Quartal keine Kursarbeit, sondern wird sich einer mündlichen Kommunikationsprüfung unterziehen dürfen/müssen. Dies ist seit der neuerlichen Änderung der APO-GOSt (Ausbildungs-und Prüfungsordnung gymnasiale Oberstufe) möglich.
Das Prozedere: Die Schüler werden rund 20 Minuten in einer Paarprüfung zu den zwei Teilen “Zusammenhängendes Sprechen” und “An Gesprächen teilnehmen” geprüft, natürlich thematisch angebunden an die Inhalte der vorhergehenden Sequenz (bei uns “Venezia”). Innerhalb der Fachschaft haben wir uns recht schnell entschieden, diese Prüfungsform schon dieses Jahr einzuführen und zwar vorrangig aus folgenden Gründen:
- Druck: Die Schüler müssen in der Prüfung sprechen und einmal nicht schreiben. Insofern nehmen sie auch die Übungen zum Bereich “Sprechen” ernster als sonst.
- Abwechselung: Die Planung der Sequenzinhalte hat eine ganz andere Stoßrichtung. Schriftlichkeit ist nun ein Mittel zum Zweck und Methoden zur Förderung der Mündlichkeit werden verstärkt eingesetzt und auch angenommen. So kann ich dem Kugellager eigentlich nicht viel abgewinnen, aber in dem Zusammenhang ist das eine effektive Methode, um möglichst viele Schüler gleichzeitig ans Sprechen zu bekommen.
- Arbeitsbelastung: Die Korrektur erfolgt sofort und nicht zu Hause, die Zeit versickert eher in der Vorbereitung der Reihe und Prüfungsinhalte.
Für die Planung der Reihe habe ich auch zu erst einmal die Prüfungsunterlagen erstellt. Das mache ich bei schriftlichen Klausuren eigentlich nie, im Extremfall erstelle ich die Klausur am Vorabend. Bei einer mündlichen Prüfung hätte eine solche Arbeitsweise vermutlich katastrophale Folgen. Im Teil “Zusammenhängendes Sprechen” müssen meine Schüler einen Text lesen und ein Foto beschreiben. Ohne gezielte Vorbereitung würden sie zumindest beim zweiten Unterteil erhebliche Probleme bekommen. Ganz zu schweigen vom Segment “An Gesprächen teilnehmen”, bei dem diskursive Strategien angewendet werden sollen. Redemittel und Vokabular müssen da eingeschliffen sein, ansonsten rattert das Gespräch nach zwei Minuten ganz gehörig.
Insofern ist Transparenz bei der Durchführung der Reihe absolut von Nöten, insbesondere wenn es für die Schüler die erste mündliche Prüfung in der Schulkarriere ist. Ich nutze dafür gerne eine Lernlandkarte oder auch “Advance Organizer” genannt. Für meine Folie zu Venezia habe ich auch Tagxedo eingesetzt, eine erweiterte Variante von Wordle.
Projektweise
Veröffentlicht in Im Klassenraum am April 21, 2013
Es wird langsam hektisch bei uns Referendaren. Bis Anfang Juni haben einige von uns noch drei Unterrichtsbesuche abzuleisten. Das ist nicht nur per se viel Arbeit, sondern erfordert gleichfalls ein Haufen organisatorisches Geschick, da der Mai mit Feiertagen und außerschulischen Aktivitäten ein äußerst zerstückelter Monat ist. Da kann ich mich glücklich schätzen, dass bei mir nur noch ein UB ansteht. Nach den Osterferien hat sich jedenfalls eine Unmenge an Arbeit angesammelt, garniert mit Hochs (fantastische Stunde im Ausbildungsunterricht beim Schulleiter, eine Schülerin von mir erhält ein Stipendium) und Tiefs (miese Stunde im Ausbildungsunterricht beim Schulleiter, grausam lange Lehrerkonferenz).
Derzeit arbeite ich in fast allen Kursen stark projektorientiert (ich mag das Wort “Projekt” nicht, aber eine Alternative ist mir bis jetzt nicht eingefallen). Mein Kurs Praktische Philosophie beschäftigt sich mit dem Themenfeld “Natur”, der EF-Kurs darf sich an Kulturkritik reiben und im Italienisch-Kurs lasse ich thematische Rundgänge durch Venedig erstellen. Unsere Ausbildungsleiterin meinte, dass gerade in einer solchen Spätphase des Schuljahres solche Arbeitsphasen für alle Beteiligten eine Wohltat sind, wenn die Rahmenbedingungen (Themenfindung, Zeitraum, Produkt, Rückmeldung) transparent geregelt sind. Kann ich nur bestätigen.
Bequem auf dem Sofa
Veröffentlicht in Im Klassenraum am März 27, 2013
Quasi mit dem Einläuten der Ferien habe ich meiner Italienisch-Anfängerklasse noch eine Schreibaufgabe mitgegeben. Da wir gerade das Thema “Venedig” behandeln, sollten die Schüler via Couchsurfing eine Anfrage für eine Unterkunft an einen Venezianer stellen. Also ein Profil kopiert, leicht mit Gimp bearbeitet und in ein Arbeitsblatt mit erläuternden Hinweisen eingefügt. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass viele Schüler diese Reisemöglichkeit kennen und Interesse daran hätten, via CS in der Welt herumzutingeln. Pustekuchen, mir wurde gleich aufgetragen, wie gefährlich das sei, was alles passieren könnte… Eine Kollegin meinte dann auch später, dass Couchsurfing eher etwas für Studenten sei oder generell für Personen, die nicht hinter jedem Fremden gleich eine Horrorgeschichte erwarten.
Abgesehen vom realen Interesse an CS sollten die Schüler trotzdem eine Nachricht schreiben, jedoch nicht auf Papier, sondern in einem Word/OpenOffice-Dokument. Dies hat viele Vorteile, weniger Papier natürlich, aber ich schätze noch vielmehr die Korrekturmöglichkeiten mit Hilfe der Kommentar-Funktion. Wir erspraren uns das Rumgeschmiere an Seitenrändern, bei JochenEnglish werden die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes noch wesentlich detailreicher behandelt.
Die ersten Briefe (komischerweise von eher leistungsschwachen Schülern) sind eingetrudelt und die Ergebnisse sind etwas ernüchternd, in zweierlei Hinsicht. Zum einen machen die Schüler ganz simple Fehler bei Phänomenen, die wir x-fach behandelt haben. Gut, das ist Alltag beim Fremdsprachenunterricht an der Schule. Als viel gravierender sehe ich das Problem an, dass gerade die leistungsschwächeren Schüler sich zumindest teilweise auf Google Translator verlassen und somit die Möglichkeit zur Übung verpennen. Bei eventualitaetswabe wird insbesondere auf das Problem eingegangen, dass diese Programme doch brauchbar erscheinende Ergebnisse produzieren. Trotzdem sind die Übersetzungen, gerade auf dem Anfänger-Niveau, relativ leicht zu entlarven. Wenn ein Schüler plötzlich den Konjunktiv benutzt, muss er mindestens im Zweiten Lernjahr sein. Ansonsten kennt er das Phänomen nicht, wenn er nicht gerade ein Experte romanischer Sprachen ist.
Ich finde es schwierig, konstruktiv mit diesen neuen technischen Möglichkeiten umzugehen. Google Translator ist ein mächtiges Werkzeug und kann in alltäglichen Situationen äußerst nützlich sein (“Was schreibt der rumänische Reiseveranstalter da?”). Handelt es sich bei den Übersetzungen schon um Plagiate? Ich möchte eigentlich keine Klausel einbauen, die verbietet, neue Redemittel für die Bewältigung der Hausaufgabe zu recherchieren. Es wäre selbstwidersprüchlich, schließlich sollen gute Hausaufgaben das eigenständige Lernen fördern.
Hauslehrer
Veröffentlicht in Im Klassenraum am März 24, 2013
Im Ausbildungsunterricht beim Schulleiter zu sein kann auch manchmal heitere Momente hervorbringen. Eine Schülerin hält einen Vortrag über Thomas Hobbes und erwähnt, dass dieser auch mal Hauslehrer war. Schulleiter sitzt neben mir am Tisch und flüstert lächelnd: “Na, sehen Sie, wenn Sie mal keine Anstellung nach dem Examen finden sollten, können Sie ja auch Hauslehrer werden.”
In Revision
Veröffentlicht in Drumherum am März 14, 2013
Diese Woche durfte ich an dem Revisionsverfahren eines Fachseminarleiters in spe teilnehmen. Der Kandidat musste dafür an einem Tag eine Unterrichtsstunde zeigen, einen Unterrichtsbesuch begleiten sowie eine Zeitstunde einer dreistündigen Fachseminarsitzung leiten. Beim letzten Teil war ich dabei und es war eine kuriose Erfahrung.
Ich kann nun Schüler ziemlich gut nachvollziehen, die von Referendaren berichten, die in Lehrproben etwas Besonderes zeigen wollen, eine riesige Materialschlacht liefern und man dennoch als Lernender nicht weiß, was die Lehrperson jetzt eigentlich will. Nervosität ist wirklich kein Problem, das kann jeder Schüler nachvollziehen. Rechtschreibfehler sind auch kein Drama. Aber wie kann man denn als gestandener Lehrer vergessen, Zeitangaben für die Erarbeitungsphase anzugeben? Warum wird ein Reader mit 30 Seiten Material ausgegeben, aber die Aufgabenstellung muss beim Nachbarn erflüstert werden? Aufzeigen geht ja schlecht, eine Frage wie “Ähm, wie viel Zeit haben wir denn dafür?” oder “Können Sie nochmals die Aufgabenstellung wiederholen?” würde wohl unweigerlich zum Nervenzusammenbruch des Kandidaten führen. So haben wir die Klappe gehalten, mehr oder weniger Halbwissen zum Thema mobilisiert sowie eine Folie am Ende präsentiert sowie und auch ein wenig diskutiert. Schöne neue Seminarwelt.
Die Frage, die sich mir stellt: Soll man einen solchen Kandidaten schützen und gute Miene zum bösen Spiel machen? War das ein einmaliger Ausrutscher oder wird eine solche Lehrperson nun Generationen von Referendaren mit wirren Anweisungen quälen?
Modulierend
Veröffentlicht in Im Klassenraum am März 9, 2013
Gestern bei der Nachbesprechung des Unterrichtsbesuchs, mit Fachseminarleiterin X in der Schulkantine: “Ja, sehr schöne Stunde. Eine Sache, in meinen Kernseminar behandele ich kommende Woche das Thema “Stimme”. Sie haben heute kaum mit der Stimme moduliert. Warum? Nervös?”
Nachbesprechung einer anderen Stunde vor rund vier Monaten, Seminarleiter Y: “Ja, war halt eine Stunde mit Schwächen. Aber die Modulation ihrer Stimme ist wirklich einmalig, damit ziehen Sie die Schüler in ihren Bann!”
Gestern habe ich übrigens geantwortet, dass ich einfach “platt” bin. War ehrlich und wurde auch so vollkommen akzeptiert.
Ansonsten merkte man gestern auch die Routine mit Unterrichtsbesuchen (oder vielleicht war es auch schlichtweg Müdigkeit). Unerwarteter Raumwechsel bei Technikeinsatz (Beamer) macht zusätzliche Mühe. Úm Stühle bittende Schüler fremder Klassen nehmen eine Minute deiner Unterrichtszeit weg. “Falsche” Problemfragen lassen leichte Panik aufkommen, aber ich habe einfach gefragt, ob noch andere Problemfragen denkbar sind. Dann kam auch die erhoffte, die “falsche” war im Prinzip die Leitfrage für den zweiten Teil der Doppelstunde und insofern ein großer Gewinn für den Unterrichtsgang.
Zum Einsteigen
Veröffentlicht in Im Klassenraum am Februar 24, 2013
Der typische Einstieg einer Besuchsstunde: Begrüßung, Folie aufwerfen und dann betet der Referendar innerlich, dass die Schüler im Gespräch irgendwie die Problemfrage herleiten und somit die Erarbeitung beginnen kann. Auch Herr Rau kennt dieses Szenario und wenn ich auf meine bisherigen Unterrichtsbesuche zurückblicke, lief der Einstieg tatsächlich immer über eine Folie ab. Aber dies ist vermutlich eher dem Umstand geschuldet, dass der OHP ein recht flexibles Instrument ist. Ich kann darüber natürlich den klassischen Bildimplus einwerfen, aber genauso gut Instruktionen geben, ohne für 30 Schüler ein Arbeitsblatt ausdrucken und austeilen zu müssen. Wenn der Beamer zum Standard an den Schulen gehören sollte, wird der OHP wohl seine Dominanz einbüßen und vielleicht völlig von der Bildfläche verschwinden.
Am Anfang der Ausbildung habe ich für fast jede Stunde einen motivierenden Einstieg gewählt, aber zunehmend setze ich auf wiederholend-informative Einstiege. Nicht (direkt) aus Faulheit, sondern weil die Schüler es schätzen. Gerade fleißige Schüler, die sonst eher zurückhaltend sind, können in solchen Phasen aufblühen. Und allgemein schafft es Transparenz und es entstehen bei geschickter Reihenplanung Problemüberhänge, die in der Stunde aufgegriffen werden können. Den Klassiker “Was haben wir denn in der letzten Stunde gemacht?” habe ich übrigens bisher nur einmal scherzhaft eingeworfen, aber selbst da gab es kein Murren.
Prüfungsvorbereitung
Veröffentlicht in Drumherum am Februar 3, 2013
Gerade wird die Halbzeit der Ausbildung eingeläutet und trotzdem wurden wir schon um die Examenstermine gefragt. Die Prüfungen erfolgen zu Beginn des kommenden Schuljahres, zwischen Sommer- und Herbstferien. Diese liegen in NRW im Jahr 2013 äußerst dicht beieinander, was zu einigen organisatorischen Spannungen führt:
- An unserer Schule sind wir ja zwölf Referendare und mehr als zwei Prüfungen pro Tag kann eine Schule organisatorisch kaum tragen. Schließlich werden pro Referendar zwei Lerngruppen terminlich neu eingetaktet. Und bei uns ist es durchaus denkbar, dass drei Leute den gleichen Termin kriegen könnten, da muss also intern eine Absprache erfolgen.
- Bestimmte Fachseminar-Leiter sind weniger beliebt und einige scheinen doch sympathischer zu sein. Bei großen Fachseminaren mit rund 20 Teilnehmern kann dies erhebliche Kollissionen bei der Terminierung der Anwärter hervorrufen.
- Bereits ab dem vierten Unterrichtstag (der Montag der ersten vollständigen Unterrichtswoche) ist es denkbar, das Examen abzulegen. Man wird also geprüft, wie man einen Kurs ans Arbeiten nach den Ferien bringt. Klingt wie ein Himmelfahrtskommando, kann aber durchaus eine spannende Alternative gerade für unsichere Kandidaten sein. Was will schließlich eine Prüfungskommission einfordern, wenn nichts über die Lerngruppe bekannt ist?
- Von den Extra-Wünschen (“Ich will gerne die Q1 in Italienisch. Bitte ändern Sie nicht die Zusammensetzung der Kurses!”) möchte ich gar nicht erst reden.
Ansonsten werden die üblichen Räuberpistolen über Examensprüfungen durch die Gegend geworfen (“Eine 1 in der Vorbenotung und dann glatt durchgefallen!”), aber “Don’t panic” würde ich mal sagen.
Nach dem UB
Veröffentlicht in Im Klassenraum am Januar 13, 2013
… ist vor dem UB. Vorgestern wurde ich in Philosophie abgeklopft. Kernstück war eine Amerikanische Debatte, die vom methodischen her sehr flüssig lief, aber inhaltlich nicht am Maximum war. Gute Stunde, nicht mehr, nicht weniger. Nach der Besprechung ging es direkt wieder in den Unterricht, ich fühlte mich wie ein angezählter Boxer, ziemlich platt. Aber man lernt wirklich mit der Zeit, trotz solcher widrigen Umstände noch erträglichen Unterricht zu halten.
Am Mittwoch gibt es jedoch schon den nächsten Unterrichtsbesuch, dieses Mal in Italienisch. Für den Fall gilt eigentlich der Spruch “Der Star ist die Reihe”. Die einzelne Stunde ist inhaltlich durchaus ansprechend, aber die Reihe hat mehr Feuer. Da ist es wirklich schade, dass die Seminarleiter nur zu einzelnen Brocken kommen und sich nicht einen längerwährenden Blick gewähren können.
Zur Seite gestellt
Veröffentlicht in Im Klassenraum am Januar 2, 2013
Nach den Ferien stehen innerhalb von fünf Tagen zwei Unterrichtsbesuche an. Das bedeutet also, dass die Ferien nicht völlig durchgehangen werden können, aber auf der anderen Seite finde ich es auch mal wieder spannend, eine wirklich sattelfeste Stunde bauen zu müssen. Damit verbunden ist die stetige Aufregung, dass ein übersehener Fakt die Stunde zum Einsturz bringen könnte. Diese Spannung wird mich wohl bis zum Ende der Ausbildung zum Kribbeln bringen.
An den Unterrichtsbesuchen stört mich seit kurzem der Umstand, dass mein ‘gewöhnlicher’ Unterricht darunter leidet. Das betrifft insbesondere die inhaltliche Seite, da ich meine Kräfte für die benoteteten Stunden bündeln muss. Aber durch Vorbereitungen und Nachbesprechungen verpasse ich auch viel Unterrichtszeit. So muss ich übernächsten Freitag früher aus meinem Ausbildungsunterricht entschwinden, um den Fachseminarleiter begrüßen (und eventuell technisches Gedöns abholen) zu können. Durch die Nachbesprechung verpasse ich wiederum mindestens ein Drittel meiner Doppelstunde Italienisch, also genau die Zeit, in der man inhaltlich richtig ranklotzen könnte. Im Verhältnis ist diese verlorene Unterrichtszeit natürlich kaum erwähnenswert, aber ein Unbehagen bleibt.