Klarsicht

Die letzten beiden Tage haben die Klassen der Jahrgangsstufe 8 den Klarsicht-Parcours der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung absolviert. Zwei Unterrichtsstunden wurden dafür reserviert, mit einer kurzen Einführung, dann die Gruppeneinteilung und ab ging es zu den vier Stationen mit jeweils einer begleitenden Lehrkraft. Ich war gestern Betreuer bei der “Trink-Bar” und heute beim “Drunk-Buster”, war spannend für mich und weniger monoton als im Vorfeld befürchtet.

Bei der Trink-Bar konnten sich die Schüler an einer Pinnwand informieren, wie viel Alkohol in verschiedenen Getränken enthalten ist oder was bei einem Promille-Wert zu befürchten ist. Dann wurde “Flaschendrehen” gespielt und die Schüler fragten sich gegenseitig ab. Teilweise waren die Fragen etwas banal und auch suggestiv, das war mir an der Stelle zu viel pädagogischer Zeigefinger.

Der Drunk-Buster ist vermutlich die spektakulärste Station des Parcours. Hier tragen die Schüler Brillen, die die Wahrnehmung bei 0,8 und 1,5 Promille simulieren. Sie müssen durch einen Stuhlparcours laufen, einer Linie entlanggehen oder etwas Wasser in einen Becher einschenken. Gelacht wurde natürlich auch unter den Schülern, muss aber wohl der Intention nicht nachstehen, dass eine verzerrte Wahrnehmung ziemlich gefährlich werden kann.

Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Schüler in dem Alter schon die großen Säufer sind. Viele erzählten, dass sie eher zufällig einmal mit Alkohol in Kontakt kamen und das Getränk teilweise sogar ausspuckten. Ich hatte mit mehr Berührungspunkten gerechnet, aber vielleicht wurde auch nicht alles auf den Tisch gebracht.

Putzmittel

Im Vertretungsplan gibt es bei uns (neuerdings?) einen Benotung der Räume durch die Reinigungskräfte. Diese Woche hatte “ich” am Montag eine “3”. Mit “ich” meine ich den Raum, in dem ich als letzte Lehrkraft an dem betroffenen Tag hatte. Die Bewertungsmaßstäbe sind mir nicht ganz klar, auf jeden Fall gibt es eine “5” für einen Raum, in dem die Stühle nicht hochgestellt wurden. Die Note “1” wurde auch vergeben, für einen kaum genutzten Raum, für eine Klasse 9 sowie einen Fachsaal der Naturwissenschaften.

Anscheinend soll das ein Mittel sein, um die Lehrer auf die Notwendigkeit sauberer Unterrichtsräume hinzuweisen. Die Schlampen unter den Kollegen wird man damit aber kaum erkennen. Lehrer sind bei Ausreden genauso kreativ wie Schüler und es läuft wohl auf zwei Varianten heraus:

  1. “Das war schon so.”
  2. “Das muss nach mir passiert sein.”

Curricula

Bei den letzten beiden schulinternen Fortbildungstagen habe ich mich mit Curricula auseinandergesetzt und die nächste Fortbildung wird sich ebenfalls mit der Erstellung eines Curriculums befassen. Für einen bestimmten Anteil der Kollegen ist das ein Graus, da es ihrer Meinung nach viel Schreibarbeit für die Katz darstellt. Ich sehe das nicht ganz so.

Ein Curriculum beinhaltet Vorgaben, die den Leitlinien des landesweit gültigen Lehrplanes des Faches folgen, allerdings auf die spezielle Schulumgebung zugeschnitten sind. In einem Curriculum befinden sich deshalb meistens Angaben zur Schule selbst, zur Rolle des Faches in der Schule, zu den zu erwerbenden Kompetenzen in den verschiedenen Jahrgangsstufen und auch zur Leistungsfeststellung. Gerade die letzten beiden Punkte sind von besonderer Bedeutung, da sie die individuelle Unterrichtsgestaltung erheblich beeinflussen (können).

Ein Curriculum schwankt zwischen Freiheit und Einschränkung. Die landesweit gültigen Lehrpläne skizzieren oft nur grob die inhaltliche Ausrichtung in den Jahrgangsstufen. Wenn im Lehrplan Philosophie für das erste Halbjahr der Klasse 11 als Thema „Ethik“ angegeben ist, könnte ich in dem Zeitraum Kants Kritik der praktischen Vernunft durchackern oder einen Querschnitt durch alle ethische Positionen der Neuzeit ziehen. Analog bei der Leistungsfeststellung: Lasse ich jede Stunde einen Vokabeltest schreiben oder erspare ich mir das Abprüfen? Meistens sagt schon der gute Lehrerverstand, dass der Mittelweg die beste Variante darstellt. Aber das ist nicht selbstverständlich. Lehrer verfolgen verschiedene Ansätze und Interessen, der Lehrplan gewährt diese Freiheiten, aber es braucht einen gemeinsamen Nenner innerhalb der Fachgruppe der Schule. Dafür ist das Curriculum da und hier werden auch die Konfliktfelder sichtbar:

  1. Überregulierung: Jede Stunde wird durch die Angaben im Curriculum vorgeschrieben und es wird sogar strengstens auf die Einhaltung gepocht. Wir sind im pädagogischen Überwachungsstaat, das Curriculum ist der Selbstzweck.
  2. Belanglosigkeit: Das Curriculum spiegelt den Lehrplan, garniert mit ein paar Phrasen. Oft fehlt der Mut zum Konflikt mit dem Kollegen, aber es kann auch schlichtweg Faulheit sein. Folge: Jeder unterrichtet wie es beliebt.
  3. Ablehnung: Kollege X interessiert sich nicht die Bohne für die Inhalte des Curriculums (und manchmal sogar nicht einmal für den Lehrplan). Passiert durchaus noch und ist dazu noch sehr schwierig in den Griff zu kommen, außer durch die Pensionierung.
  4. Unselbständigkeit: Der Wille zur Ausformulierung der Inhalte im Curriculum ist da, allerdings fehlt die Kraft? Dann springt oft das Lehrbuch ein. Die Unterrichtsinhalte des Lehrplanes werden spezifiziert, aber interessanterweise genau nach den Themen eines Lehrbuches. Das ist praktisch, weil ja die Lehrbücher auf ihre Eignung geprüft werden, allerdings bleibt der fade Beigeschmack des didaktisch unmündigen Lehrers, der nur mit Buch unter dem Arm die nächste Stunde sicher bestreiten kann.

Bruchbude

Die Online-Varianten von “Die Zeit” und “Der Spiegel” widmen eine Rubrik ihrer Online-Ausgabe dem Thema “Schule”. Die dort vorzufindenen Themen werden dort eher nach dem Zufallsgenerator als nach pädagogischer Stringenz ausgewählt. Mal geht es um Tablets im Unterricht, dann wieder was über Flüchtlinge und zwischendrin was zum Lachen über verschiedene Lehrertypen.

Derzeit wird in “Zeit Online” der Bauzustand deutscher Schulen durch die Mangel genommen.Es wird dort beschrieben, dass die Toiletten des Grasser-Gymnasiums in München ziemlich abgerockt sind. Für den nicht aus München stammenden Leserkreis eigentlich relativ uninteressant, wenn man nicht die besorgte Elternschaft einbeziehen würde: Also werden ein paar Fotos eines vollgeschmierten Klos  geschossen, ein Aufruf nach dem Schema “Bei wem ist es auch so schlimm/noch schlimmer?” aufgegeben und damit neue Enthüllungen generiert, die teilweise bedenkliche Vergleiche mit Verhältnissen in Bulgarien oder an Hauptbahnhöfen suchen. Was bleibt beim Leser hängen? Schule als Bruchbude, wie kann man sich das nur als Lehrer oder Schüler antun? Es ist schwierig, einen gelassenen Eindruck zu schildern: Kein Leser wird explizit an “Die Zeit” schreiben, dass sein Zögling in jeder großen Pause gerne auf die Schultoilette geht.

An meiner neuen Schule wird in den nächsten fünf Jahren alles umgebaut, die neue Aula wird kommende Woche eingeweiht. Von Investitionsstau keine Spur (mehr). Davon aber liest man nur in der Lokalzeitung.

Himmelfahrtskommando

Gerade am Ende des letzten Schuljahres war ich mit meinen Schülern oft im Informatik-Pool. Wir haben dafür zwei Räume, rund ein Viertel der Belegung entfällt auf Informatik-Kurse oder MINT-Gruppen. Ich habe fast nie Probleme, zumindest einen Pool für meine Lerngruppen in Erdkunde und Italienisch zu bekommen. Eine Klasse 5 hat im März zum ersten Mal den Pool gesehen, von Schülern der Klasse 10 bekam ich den Hinweis, dass sie gerne öfters mit den PCs arbeiten würden.

Das ist also auch Schule fernab der hitzigen Diskussionen um digitale Bildung, bei uns spielt sich noch viel im Klassenraum ab und wenn etwas digital heiß läuft, dann ist es der tragbare Beamer mit DVD-Player. Wir haben auch Notebook-Wagen, die sauber konfiguriert sind, aber sie werden nur von der naturwissenschaftliche Fraktion genutzt. Der Rest hat Angst vor der Konfiguration und vor der Fehlerbehebung.

Ein Aufenthalt mit einer Lerngruppe im PC-Pool kann anstrengend sein, mit einer Klasse 5 ist es ein Himmelfahrtskommando:

Anton: “Ich will an dem PC vorne links, aber da sitzt jetzt Charlotte.”

Kevin: “Können Sie mir zeigen, wie ich bei Impress das Objekt nur aus drei Ecken einfliegen lassen kann?”

Paula: “Wo schalte ich den Computer an?”

Diese Äußerungen kommen innerhalb einer halben Minute. Der Rest ist wohl viel exploratives Lernen, ich kann und will das nicht frontal lenken. Die Steuerung der Lerneinheit erfolgt über meinen Auftrag, danach bin ich im Raum unterwegs, werde in meiner Laufrichtung durch die hochgestreckten Arme gesteuert und kenne am Ende der Stunde den Stand aller Lerngruppen: Wer hat sich rasch auf ein Thema einigen können? Wo sind die Experten für Grafiken? Wer hat Pech mit der Technik? Wer hat nicht abgespeichert? Ich erlebe so etwas wie einen Flow bei manchen Schülergruppen, weder Langeweile noch Überforderung sind spürbar, die beiden Todfeinde aller Lernprozesse.

Am Ende kommen teilweise sehr erheiternde Präsentationen heraus, die Karteikarten sind meine Entdeckung des letzten Schuljahres: Die Arme haben zu tun, die Schüler fühlen sich wichtig, also stehen keine Schlaffis vor der Klasse, Struktur und Zuschauerkontakt halten sich die Waage. Feedback gibt es auch, mir ist es oft zu weich und greift nicht das heraus, was besser gemacht werden könnte. To-Do für das nächste Schuljahr.

Erwischt

Ich wurde während der Busfahrt nach Italien in flagranti erwischt:

  • Drei Wochen vor der Abreise hat eine Schülerin freiwillig einen Vortrag über die zweifelhaften Machenschaften von Nestlé gehalten: Die in der Schweiz ansässige Firma soll in zahlreichen Staaten Wasserrechte erworben haben und erschwert damit anscheinend der lokalen Bevölkerung den Zugang zu sauberen Trinkwasser. Es war Nachmittagsunterricht, die Lerngruppe lauschte andächtig, der Sachverhalt wurde ohne große Debatten oder Aktionsbündnisse zur Kenntnis genommen.
  • Wir sind am Montag zu einer unchristlichen Zeit Richtung Italien aufgebrochen. Ich bin erst am Samstagabend von einem anderen (schulischen!) Auslandsaufenthalt zurückgekommen, die Dorf-Supermärke hatten zu und ich brauche eine Wasserflasche. Also Tankstelle, es gibt nur Vittel (von Nestlé), kurz schlechtes Gewissen, aber was willst du machen?

Am Montag fülle ich die Flasche mit Leitungswasser. Ich trinke während der Fahrt ab und zu aus der besagten Flasche, gegen Mittag kommen zwei Schüler nach vorn und zeigen auf die Flasche. “Aber Herr W., wir haben doch letztens gelernt, dass das böse ist.” Saure-Gurken-Gesicht meinerseits, ich erspare mir eine holprige Erklärung.

Nach dem Vortrag habe ich nicht moralisiert oder um Boykotte gebeten, keine Missachtung des Beutelsbacher Konsens demnach. Mit einem Augenzwickern haben mich die Schüler auf meine Vorbildfunktion aufmerksam gemacht und Verantwortung eingefordert. Ich frage mich allerdings, ob sie sich selbst, den Mitschülern oder der Familie so genau auf die Finger bzw. Flasche schauen.

Telefonkette

Aus der Reihe “Begriffe, die in ein paar Jahren nur noch Stirnrunzeln erzeugen”.

Für unseren Schüleraustausch haben wir eine Telefonkette eingerichtet. Wenn der Bus mit den Italienern kurz vor der Ankunft am Schulort ist, sollte eine italienische Lehrkraft eine deutsche Lehrkraft anrufen, die dann die Mutter von Schüler A benachrichtigt, diese wiederum Vater von Schüler B informiert, die bei Vater von Schülerin C durchklingelt, …

Ich rufe bei Mutter A an: “Hallo, Frau K. Der Bus wird in zwanzig Minuten in L. sein.”

Mutter A: “Ja, danke, das wissen wir schon, Herr W. Es war Stau bei Dortmund.”

Ich: “Achso, das wusste ich nicht. Rufen Sie bitte Vater B an?”

Mutter A: “Der weiß schon Bescheid. Birte hat mit Lucia ständigen Kontakt.”

Ich: “Ah ja, super, rufen Sie doch trotzdem zur Sicherheit an, war ja abgesprochen. Bis gleich.”

Die Schüler hatten eine Art Liveticker über Whatsapp eingerichtet. Ich war nicht drin, aber auch froh, dass ich nicht jede Neuigkeit zur Kenntnis nehmen musste (“Der Busfahrer soll jetzt endlich eine Pause machen!!1!”). Der Bus kam an, alle Teilnehmer waren da und haben sich rasch gefunden, keine Irrfahrten oder Anrufe in der dunkel gewordenen Kleinstadt, war wohl der letzte Einsatz der Telefonkette.

Traumreise

In einer der ersten Sitzungen des Kernseminars (Allgemeine Didaktik für Referendare) haben wir an einer Traumreise teilgenommen: Der Seminarleiter bat uns die Augen zu schließen. Ich kam dieser Aufforderung nach und wir sollten uns an unseren ersten Schultag erinnern. Ich habe mitgemacht, aber gleichzeitig habe ich es innerlich als esotherischen Schwachsinn abgetan und ich war mir damals ziemlich sicher, dass ich nie eine Traumreise in meinem Unterricht machen werde. Ich bin ein verkopfter Typ (hat auch mal ein Schuldirektor zu mir gesagt), manchmal zu ironisch, nein, nicht zynisch, ich will ständig Lernertrag, also zu mir passt die Traumreise nicht, die Schüler werden darauf nicht eingegen und es albern finden.

Es ist nun nicht so, dass ich jede Stunde mit einer Traumreise einleite und abschließe, aber wenn sich mal die Gelegenheit ergibt, lasse ich die Schüler die Augen schließen und ich erzähle eine Geschichte und male eine Umgebung aus, in der die Schüler hineinfallen. Keine Gruselgeschichten oder Märchen, sondern von mir spontan ausgedachte Reisen zum Unterrichtsthema (in spiaggia, in der Großstadt), meistens mit einer komödiantischen Note und manchmal absurd werdenden Geräuschkulisse.

Einen sichtbaren Lernertrag erzeuge ich dadurch nicht, die Methode entzieht sich größtenteils sich dem Prinzip der Sicherung und des Transfers. Wer würde sich schon trauen, eine Traumreise in einem Unterrichtsbesuch zu zeigen?

Der Großteil der Schüler mag (dennoch) die Traumreise, mögliche und durchaus überlappende Gründe:

  • Der Schüler muss nicht(s) schreiben oder lesen.
  • Er hat einen Sinn für meine Erzählweise oder meinen Humor.
  • Er muss sich auf keine Person oder ein Medium konzentrieren, sondern nur auf sich selbst.
  • Er träumt gerne und lässt sich in seine Gedanken fallen.
  • Er genießt die Ruhe und die Entspannung.

Als ich Kollegen vom Einsatz der Traumreise in meinem Unterricht erzählte, haben sie das wohl auch als esotherischen Schwachsinn abgetan.

Anleitung

Ich hatte dieses Jahr einen Erdkunde-Kurs in der Klasse 10. Die Schüler schreiben in dieser Jahrgangsstufe auch zum ersten Mal eine Klausur in Erdkunde, davor wird maximal mit Tests abgefragt. Anfängerfehler und Stöhnen bei der Korrektur sind also garantiert. Deshalb habe ich mich auf Paul Watzlawick besonnen und den Schülern vor der Klausur eine Sammlung von “Tipps” mitgegeben, mit denen sie die Klausur auf jeden Fall “gegen die Wand” fahren, hier eine Auswahl:

  1. Ich gebe eine wirre Loseblattsammlung ohne Hefter oder Aktendulli ab.
  2. Mein Atlas liegt zu Hause auf einem Stapel unter dem Schreibtisch gleich neben der 2-Liter-Flasche Discounter-Cola.
  3. Ich lasse 0,03 cm Rand für Korrekturen. Das Knicken der Blätter in der Mitte ist mir zu aufwendig.
  4. Wenn ich ein Wort nicht richtig schreiben kann, schmiere ich es einfach undeutlich hin. Der Leser wird es schon aus dem Kontext herleiten können.
  5. Ich lese die Aufgabenstellung möglichst oberflächlich durch und schreibe direkt los. Strukturierende Notizen hindern nur den Schreibfluss, außerdem will ja der Lehrer die Klausur nochmals verwenden, oder?
  6. Aus dem Material zitiere ich direkt und reichlich, natürlich ohne Kennzeichnung mit „…“ und ohne Materialverweis (M …). Eigenständige Umfor­mulierungen werden überschätzt, viva „Copy & Paste“!
  7. Schwierige Fachbegriffe sind eine Erfindung der Glossar-Industrie und verstehen sich ohne Definition von selbst.
  8. Rechtschreibug, und Grammatik, brauche ich in Erdkunde nicht.
  9. Ich lege mir einen Fundus an Füllwörtern an, die je nach Bedarf meine Gedanken an Signifikanz aufblasen oder meine mangelnde Argumentationsfähigkeit übertünchen: „halt“, „mal“, „ja“, „eigentlich“, „doch wohl“, „nun mal“, „nicht unerheblich“, „diesbezüglich“, „zudem“, „hierfür“, „hiernach“, „hierbei“, „nunmehr“, „offensichtlich“, „augenscheinlich“, „eindeutig“, „zweifellos“, „wohl“, „eben“
  10.  Stichpunkte
    • weniger schreiben:-)
    • „roter Faden“ –> ja irgendwie schon
  11. Themenbezogene Absätze und Teilüberschriften erzeugen ein Mehr an Papier und sind zum Schutz des Regenwaldes zu vermeiden.
  12. In der Stellungnahme (Aufgabe 3) gebe ich nochmals die Inhalte wider, die schon in den vorhergehenden Aufgaben angeführt habe. Das fülle ich mit hohlen Phrasen („Beide Seiten haben ihre Berechtigung.“) und subjektiven Gefühlen („Das finde ich nicht richtig.“) auf, fertig ist der kommentierte Brei! Die simple Benennung der Pro-und Contra-Argumente und die daraus logisch entspringende Bewertung entsprechen hingegen einem zu rationalistischen Weltbild.
  13. Eine abschließende Korrektur der Klausur vermindert nur die Dauer der Mittagspause und erzeugt ein schlechtes Bauchgefühl.

Lokalmatadoren

Ich bin seit über drei Wochen in den Ferien. Die Schule ließ mich aber nicht ganz los, in der Zeit habe ich wieder einen Beitrag für einen Verlag fertiggestellt sowie diverse Vorstellungsgespräche geführt. Meine ehemalige Schule war überbesetzt und jetzt kam auch eine Versetzung einer Kollegin. Der Abschied fiel mir schwer, jedoch bekam ich dabei viel positives Feedback und mehrere Präsentkorbe, ist ja die letzte Gelegenheit entweder die Wut rauszulassen oder sich zu bedanken. Mit einigen Schülergruppen traf ich mich auch zum Abendessen, leider hatten wir keine Lehrküche, aber einmal waren wir im Restaurant einer Schülerin und einmal konnten wir die Küche einer Landfrauen-Vereinigung in Beschlag nehmen, das ging jedoch nur mit Kontakten.

Die Stellenlage ist momentan etwas angespannt, jedenfalls für mich mit meinen Fächern. Ich war in den Sommerwochen bei vielen Vorstellungsgesprächen, ich muss aufgrund der Noten schon eingeladen werden. Einige Stellen waren schon vorher vergeben, mit lokalen Kandidaten, die dort bereits Vertretungslehrer waren. Nichts anderes als Seilschaften, aber ich würde als Schulleitung auch einen Kandidaten nehmen, der das Ambiente kennt. Für die anderen Kandidaten bleibt eine halbe Stunde Gespräch, ohne Aussicht auf eine Anstellung und mit dem komischen Gefühl, im Gespräch vielleicht nicht überzeugt zu haben. Die Fragen in den Auswahlgesprächen sind oft so allgemein gestellt, dass eine fundierte Antwort ohne Rückfragen kaum möglich ist (“Wie reagieren sie auf einen schwierigen Schüler?”). Ich wurde routinierter bei den Antworten, habe die Aspekte genannt, von denen ich überzeugt war und von denen die Gegenüber überzeugt sein sollten, allen voran Schülerorientierung und Differenzierung. Aber das kann jeder erzählen, auch wenn er vor der Klasse zumeist doziert und schmiere Kopien in die Lerngruppe wirft. Vielleicht ist dann der Lokalmatador doch die beste Wahl.