Ein deutsch-englischer Koffer

Heute war ich in der Deutsch-Klasse für Touristen oder besser, in der Klasse für Schüler, die in Zukunft vielleicht in touristischen Berufen arbeiten wollen. Man kann sicherlich ohne Zweifel sagen, dass diese Schüler nicht an das Niveau der Liceo-Schüler herankommen und somit der Unterricht dort teilweise sehr stockend werden kann. Vor allem driftet Anspruch und Wirklichkeit des Deutschunterrichts dort am eklatantesten auseinander.

Zur Illustration: Die Schüler haben am Montag eine Leistungskontrolle über den Konjunktiv II geschrieben. Das ist eine Sache, die in jeder Fremdsprache eine der letzten großen Hürden einnimmt. Heute war die Beschreibung von einfachen Gegenständen wie Pullover oder dem oben genannten Koffer mal an der Reihe. Ein Pullover ist weich. Der Koffer ist groß. Das sollte für Schüler, die sich bereits mit dem Konjunktiv II auseinandergesetzt haben, kein Problem darstellen. Weit gefehlt. Simple Adjektive wie „breit“, „teuer“ oder „billig“ waren nicht präsent. Bei den Farben kamen nur die englische Ausdrücke zur Sprache („ein blue Koffer“). So toll und hilfreich die Ähnlichkeit von Englisch und Deutsch auch sein mag, so behindert sie manchmal die Motivation der Schüler für den Deutsch-Unterricht: Ich kenne die englische Vokabel, die wird schon ähnlich zur deutschen sein, basta! Aber zumindest kann ich jetzt meine Spanisch-Lehrer gut verstehen, die über mein Spitalienisch heimlich geflucht haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s