Zwischen den Stühlen

Wenn ich jemanden außerhalb des Schulkosmos erzähle, was ich so mache, rutscht mir oft die einfache Antwort heraus, dass ich Lehrer für Deutsch bin. Diese Erklärung vermeidet weitere mühsame Erläuterungen, ist aber im Grunde genommen falsch.
Ich stehe eine Hierarchiestufe unter derjenigen eines Lehrer, ich bin nämlich Fremdsprachenassistent. Mir fehlen so beispielsweise grundlegende Machtinstrumente wie das Androhen und Verteilen von Noten. Dies stößt mich aus dem polaren Schüler-Lehrer-Verhältnis in eine weithin undefinierte Rolle heraus, die ich Tag für Tag neu definieren und klären muss.
Wie konfus sich das gestalten kann, lässt sich gut am Ansprechen meiner Person erkennen. Prinzipiell bin ich Stefan, allerdings wird von offizieller Seite, beispielsweise beim Einführungskurs für FSA, das „Sie“ empfohlen. Ich habe mich an die offizielle Restriktion versucht zu halten, aber es ist meines Erachtens schwierig durchzusetzen. Der Assistent soll ja gerade das jugendliche, betont andere Element des Unterrichts darstellen. Durch das Siezen wird jedoch dieser Aspekt untergraben bzw. es wirkt unfreiwillig komisch. Wer kennt nicht das absurde „Frau Müller, kommst Du mal?“ aus seiner Schulzeit? Daher gehen viele Klassen stillschweigend auf das „Du“ über, auch da die Lehrer mich immer duzen und mit Vornamen anreden.
Auch in der Unterrichtspraxis wandelt sich meine didaktische Rolle wie ein Chamäleon seine Farbe. Es gibt Stunden, in denen ich der absolute Protagonist bin und der italienische Lehrer das Klassenbuch um diverse Einträge erweitern kann. Genauso gut kann es möglich sein, dass ich bei Stunden mit mündlichen Befragungen der stumme Beisitzer bin, der ab und zu nur ein „Stimmt“ von sich gibt.
Diese Beispiele zeigen, dass der Assistent mit dem Lehrer steht oder eben auch fällt. Man gibt als FSA ein wenig die Verantwortung ab, was natürlich einerseits entlastet, aber auch Abhängigkeiten schafft. Ein Tutor, der keine Unterstützung bietet, kann den Assistenten in viele Verlegenheiten bringen und auch das Verhältnis zu den Schülern erheblich stören. Der FSA wird als Laie oder ignoriertes Element vor der versammelten Klasse zum Deppen gemacht. Wenn ich alleine und eigenverantwortlich unterricht, kann ich dies wesentlich klarer steuern, auch wenn dies nicht heißt, dass es immer gelingt. Bei allem Halli-Galli wie Konversation oder Spiele, suchen nämlich auch die Schüler im Assistenten eine Autorität, eine allerdings nett daherkommende Autorität.

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