Startschuss des Cinema tedesco

Am vorletzten Freitag ging „finalmente“ mein Kino-Projekt los. Es wurde relativ gut angenommen, so zehn Schüler & eine Deutsch-Lehrerin & eine Schul-Sekretärin haben teilgenommen. Wir haben „Gegen die Wand“ geschaut (in Italienisch etwas weniger dramatisch in die türkische Ehefrau, „La sposa turca“, übersetzt). Es gab überwiegend positive Reaktionen, allerdings würde ich „Gegen die Wand“ wohl nicht noch mal als Einführung in ein solches Projekt nehmen. Mir war gar nicht mehr bewusst, dass der Film (FSK 12) soviele Sex- und Gewaltszenen enthielt. Die nächsten Filme sind dahingehend etwas sanfter, ihr findet hier meine Auswahl. Gestern haben wir dann „Lola rennt“ gesehen, mit gespaltenen Reaktionen. Meine Deutsch-Lehrerin fand ihn „strano“, andere Teilnehmer haben ihn positiver bewertet.
Ein bißchen DaF-Material ist dabei auch angefallen: Sowohl zu „Gegen die Wand“ als auch „Lola rennt“ habe ich Arbeitsblätter mit Informationen und (freiwilligen) Aufgaben ausgeteilt. Außerdem haben die Teilnehmer beim ersten Treffen einen kleinen Glossar mit Begriffen und Redewendungen aus dem Film-Milieu bekommen.
Wichtig ist jetzt, dass ich das Projekt mit viel Werbung weiter vorantreibe. Unsere Schule bietet die Möglichkeit, Farb-Poster im Format A3 anzufertigen. Davon mache ich bei jedem Film Gebrauch. Zudem haben wir einen Flachbildschirm im Schuleingang, welcher Neuigkeiten zum Schulleben anzeigt. Vermutlich ist dies für die Facebook-Jünger an der Schule prägnantes als ein einfaches Poster.

Jetzt wird zertifiziert

Am Dienstag hatte ich wieder ein Gespräch mit unserer Tutorin. Sie hat mir mitgeteilt, dass eine Klasse sich sehr für die Zertifikate des Goethe-Instituts interessiert und wir vielleicht das im großen Rahmen für alle Deutsch-Schüler anbieten sollten. Dies hat mich jetzt nicht negativ getroffen, im Gegenteil, ich freue mich, dass unsere Fachschaft jetzt ordentlich Dampf macht. Was mich jedoch wundert, sind zwei Sachen:
Einerseits hätte ich nie und nimmer gerade von der o.g. Klasse erwartet, dass sie weitere Zeit für Deutsch opfern will. Die Stunden mit ihnen waren und sind die anstrengendsten meiner Woche, fachlich und disziplinarisch. Nun gut, meine Tutorin mag diese Klasse dennoch und war daher auch nicht so überrascht, dass die Schüler den Einwurf gemacht haben. Dies ist auch ein schönes Beispiel, wie unterschiedlich Klassenverbände von Lehrenden wahrgenommen werden.
Der zweite Punkt, der mich etwas verwundert hat, ist die plötzliche Begeisterung für Zertifikate. Ich hatte dies bereits im November als Vorschlag eingebracht und wurde mehr oder weniger desillusioniert: Die Schüler haben keine Zeit, keine Lust und sowieso ist der Nutzen der Zertifikate umstritten. Jetzt ist plötzlich alles anders. Mir solls recht sein, ein bisschen Rückenwind bei der Arbeit schadet nicht. Die kommende Woche werden wir auswerten, wer alles tatsächlich teilnimmt und dann werden sich wahrscheinlich beide radikalen Ansichten relativieren.

Weltwissen

Bei einem Prüfer-Seminar des Goethe-Instituts in Mailand hat eine Teilnehmerin bemängelt, dass vielen Prüflingen „Weltwissen“ fehlt und dies die Konzipierung von Prüfungen erschwert. Kann man einem Prüfling ankreiden, dass er über bestimmte inhaltliche Themen nicht so gut Bescheid weiss? Schließlich soll eine Sprachprüfung die linguistischen Kompetenzen verifizieren und inhaltliche Aspekte sind dann eher als Mittel zum Zweck zu sehen und sollten in der Bewertung ausgeblendet werden.
Ich zweifele ein wenig an dieser Ansichtsweise, auch aufgrund einiger Erfahrungen im Unterricht. Was soll ich beispielsweise von einer Schülerin halten, die jeglichen Komparativ und Superlativ perfekt bilden kann, aber bei meiner Frage nach der größten Stadt Japans aufgrund topographischer Lücken nicht antworten kann? Vor Weihachten habe ich ein einfaches Backrezept als Lückentext konzipiert, bei dem die Zutaten fehlten und eingefügt werden sollten. Kann ich voraussetzen, dass man bei einem Plätzchen-Rezept die Marmelade nicht gleich zu Beginn mit dem Zucker mischt? Ich will die Schüler gewiss nicht an den Pranger stellen, schließlich bin ich vielen Bereichen ebenfalls eine Pflaume. Aber die Auswahl und Aufbereitung von geeigneten Themen für alle Schülern wird aufgrund der skizzierten Probleme zu einer Herkules-Aufgabe.

Film ab!

In dieser Woche war wieder einmal ein bisschen Ebbe mit Artikeln. Dies hatte vorrangig zeitliche Gründe, da ich viel in der Emilia und Lombardei unterwegs war und auch der Laptop mal seine wohlverdiente Pause braucht.
Insofern war es jedoch gewiss keine verlorene Woche, im Gegenteil. Das Kino-Projekt geht beispielsweise nächsten Freitag endlich los und hat mir neuen Elan gespendet. Aus bürokratischer Sicht lief es wie erwartet, viel Lärm um Nichts. Es kamen so drei Antwortbriefe aus den Klassen, den Rest musste ich in Eigenregie durchführen. Dies bedeutet, dass ich in die Klassen marschiert bin, mein Vorhaben erklärt habe und ein entschiedenes „Vielleicht, hm, weiss nicht“ meist von den Schülern hören durfte. Am Ende haben sich aber immerhin 20 Schüler angemeldet. Diese habe ich notiert und mit einem erläuternden Brief samt Programm an den Vize-Direktor der Schule geschickt. Und dann ging alles ganz schnell. Einen Tag später war der Raum reserviert und sogar die Eltern der Schüler wurden informiert. Heute habe ich noch eine Werbeoffensive gestartet, einige A3-Poster in den Gebäuden aufgehängt sowie in das schulische Informationssystem eingespeist. Jetzt will ich noch ein kleines Programm-Heftchen für die Teilnehmer basteln.
Vielleicht ist das ganze Getue Perlen für die Säue, aber ich habe gerade Lust darauf und dümmer wird man auch nicht. Beispielsweise habe ich mich für die Erstellung des Posters in Gimp eingearbeitet und so einiges über Ebenen & Freunde dazugelernt. Wer mein Poster mal betrachten möchte, dem schicke ich es gerne zu. Online kann ich es aus bekannten Copyright-Gründen nicht stellen.

Für eine Handvoll Euro

Nach den Stunden der letzten Tage scheint es fast so, als hätte ich nur Dagobert Ducks in meinen Klassen sitzen. Ich habe die üblichen Weihnachtsfragen gestellt und ich hatte mir kreativere Einwürfe insbesondere bezüglich der Geschenke gewünscht. Auf „Francesca, was hast du gekriegt?“ folgte meist ein kaltes „Geeeld“, dann folgten zumindest im weiblichen Part der Klassen noch Klamotten und Schmuck, bei den Jungs vor allem Elektroartikel. Wenn man den Spieß mal umgedreht hatte und ich nach den Geschenken für Freunde & Familie gefragt hatte waren die Reaktionen auch ernüchternd. Häufig gingen die armen Eltern leer aus.
Vielleicht lag dies alles auch an den mangelnden Vokabelkenntnissen und am allgemeinen Rebellentum der Schüler, aber der monetäre Teil war selbst dafür äußerst dominierend. Ich hätte nicht erwartet, dass die Schüler so kühl-rational an Weihnachten denken, insbesondere aufgrund der in Italien oft beschworenen besonderen Familienkultur. Dies liegt aber sicherlich nicht nur an den Schülern, sondern man muss sich fragen, wieso die Eltern so häufig Geld verschenken. Dies ist einerseits recht einfallslos und außerdem untergräbt es den ideelen Wert von Geschenken. Wie soll ein Schüler dann erkennen, dass Weihnachten mehr ist als die Auszahlung einer Rendite am Jahresende?

Der erste Tag

Und jetzt ist er schon wieder vorbei, der erste Tag an der Schule im neuen Jahr. Ich kam mir heute ein bißchen fremd vor, fast schon apathisch. Im Unterricht war meine Tutorin der dominante Part, ich habe im Prinzip nur ein paar Einwürfe an die Schüler gegeben.
Interessant war für mich vor allem die Beobachtung der letzten Stunde. Erstmal fehlte so ein Viertel der Schüler, was trotz sibirischer Temperaturen ein außergewöhnlich hoher Krankenstand darstellte. Als Ausgleich für die eisige Kälte draußen stand ein Heizstrahler mitten im Klassenzimmer. Ich hatte ganz kurz überlegt, ihn als wärmende Sitzgelegenheit zu zweckentfremden. Aber schließlich wurde den Schülern auch so gut eingeheizt, jedoch von verbaler Seite aus. Meine Tutorin hat das Kernlaster der Schüler, ihre Faulheit, knallhart zur Sprache gebracht und plötzlich wurde es recht still in den Räumlichkeiten. Und das am ersten Tag nach den Ferien… Vielleicht war es aber richtig so, um gleich die Richtung für die nächsten Monate anzugeben. Nichts mehr mit Kuschelpädagogik, jetzt wird geklotzt, ihr Faulpelze!
Während der Standpauke musste ich meine Loyalität zum Lehrer unterstreichen, also neutral bis leicht böse rein schauen. Auch wenn ich die Schüler prinzipiell sympathisch finde: In solchen Situation muss man zum Lehrer halten, ansonsten verpufft die Standpauke im disziplinarischen Nichts. Ich bin jetzt auf die Reaktion der Schüler gespannt.

Es geht wieder los…

In den letzten beiden Wochen war in meinem Blog nicht viel los. Dies hatte zwei Gründe: Ich hatte einen miserablen Internet-Zugang und viel wichtiger, es gab keinen Unterricht. Es ist wirklich so, dass sich Blog-Artikel am besten aus frischen Impressionen schmieden lassen. Morgen geht es allerdings wieder los, von daher hoffe ich, dass sich wieder viele interessante Aspekte auftun werden und mich zum Reflektieren anregen werden.
Ich habe mir auch ein paar gute Vorsätze ins neue Jahr mitgenommen, die vorrangig meine Projekte und deren Vorankommen betreffen (u.a. Filmclub, E-Mail-Tandem). Ansonsten hoffe ich schlichtweg, dass ein paar mühsam erarbeitete Deusch-Kenntnisse bei den Schülern hängengeblieben sind und wir nicht wieder beim „Urschleim“ losbaggern müssen. Ich bin derzeit noch völlig unaufgeregt, was den Schulstart anbelangt. Dies mag an meiner stoischen Ruhe liegen, die ich allerdings zu meiner Schülerzeit wohl noch nicht so besaß. Vermutlich liegt dies aber wieder an meiner Mittlerposition, die mich jeglicher Rechte und Pflichten entbindet.

Sprache im Schraubstock

Ich bin gerade für die Ferien im deutschsprachigen Lande und genieße ein wenig den Umstand, dass die Sprache hier kein allzu hohes Kommunikationshindernis darstellt. Ich fühle mich in Italien absolut nicht wie „Lost in Translation“, jedoch gibt es sie manchmal doch, die Angst vor der fehlenden Vokabel und der zerrissenen Konversation.
Selbst in meiner deutschen Oase in Italien, den zwölf Deutsch-Stunden pro Woche, muss ich mich äußerst konzentrieren. Generell natürlich nicht zu schnell reden oder nuscheln. Aber wichtig ist auch die Vokabelwahl; im Zweifelsfall sollte immer ein passender Latinismus parat sein, um fragend dreinschauende Schülergesichter zu vermeiden. Die Verben ‚verbreiten’ und ‚bilden“ kennt kaum ein Schüler, also sollte man besser ‚diffundieren’ oder ‚konstituieren’ nehmen, schließlich gibt es diese Formen auch in der italienischen Sprache.
Sollte man wirklich? Ich bin mir in solchen Situationen oft unschlüssig, ob ich damit den Schüler nicht ein falsches Bild der deutschen Sprache vermittele. Vor allem im gesprochenen Deutsch werden die oben ersetzten Wörter wesentlich häufiger genutzt als ihre Latinismen. Wenn die italienischen Schüler wirklich mal mit einem Deutschen zu tun haben, brauchen sie diese Vokabelkenntnisse und können sie diese nicht – wie ich es getan habe – unter den Tisch kehren. Auch wirkt es ein wenig stelzenhaft, wenn ein Italiener viele Latinismen in seinem Deutsch benutzt. So sprechen, wenn überhaupt, in Deutschland doch nur durch zu frühe Hegel-Lektüre verdrehte Philosophie-Studenten.
Wie sollte man nun praktizieren? Wie bei vieler solcher Knack fragen gibt es kein Patentrezept und oftmals hilft nur die Einzelfall-Entscheidung: In schwächeren Klassen geht es eher nach dem Prinzip ‚Hauptsache kommuniziert’, den stärkeren Schüler mute ich ein wenig mehr zu und verzichte auf den Latimismus, wenn die Aussage im Kontext trotzdem deutlich ist.