Weltwissen

Bei einem Prüfer-Seminar des Goethe-Instituts in Mailand hat eine Teilnehmerin bemängelt, dass vielen Prüflingen „Weltwissen“ fehlt und dies die Konzipierung von Prüfungen erschwert. Kann man einem Prüfling ankreiden, dass er über bestimmte inhaltliche Themen nicht so gut Bescheid weiss? Schließlich soll eine Sprachprüfung die linguistischen Kompetenzen verifizieren und inhaltliche Aspekte sind dann eher als Mittel zum Zweck zu sehen und sollten in der Bewertung ausgeblendet werden.
Ich zweifele ein wenig an dieser Ansichtsweise, auch aufgrund einiger Erfahrungen im Unterricht. Was soll ich beispielsweise von einer Schülerin halten, die jeglichen Komparativ und Superlativ perfekt bilden kann, aber bei meiner Frage nach der größten Stadt Japans aufgrund topographischer Lücken nicht antworten kann? Vor Weihachten habe ich ein einfaches Backrezept als Lückentext konzipiert, bei dem die Zutaten fehlten und eingefügt werden sollten. Kann ich voraussetzen, dass man bei einem Plätzchen-Rezept die Marmelade nicht gleich zu Beginn mit dem Zucker mischt? Ich will die Schüler gewiss nicht an den Pranger stellen, schließlich bin ich vielen Bereichen ebenfalls eine Pflaume. Aber die Auswahl und Aufbereitung von geeigneten Themen für alle Schülern wird aufgrund der skizzierten Probleme zu einer Herkules-Aufgabe.

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