Die Deutschen sind zu nett

Heute war Krisensitzung im Büro der Direktorin. Meine Deutsch-Lehrer und ich waren dort, um die schwierige Lage des Deutschen an unserer Schule zu erläutern. Wie im Lied „Zehn kleine Jägermeister“ der Toten Hosen fallen jedes Schuljahr sowohl die Anzahl an Deutsch-Stunden als auch die an Personal für den Deutsch-Unterricht. Aus dem ewigen Duell Deutsch vs Französisch hat sich ein Dreikampf entwickelt, mit dem rasanten Newcomer Spanisch. Im Gegensatz zum Deutschen ist Spanisch cool, einfach und wird von vielen Menschen überall auf der Welt gesprochen. Insofern ist es verständlich, wenn sowohl Eltern als auch Kinder lieber Shakira als Udo Jürgens nachsingen möchten.
Szenenwechsel: Wir sind eine Stunde in unserer Touristik-Klasse oder besser gesagt mit ihr im PC-Pool. Die Schüler sollen ein Programm für eine Wochenend-Reise nach Berlin erstellen. Verzweifelt hangeln sie sich von den Beförderungsbedingungen des BVG zu den Sonderkonditionen der Jugendherbergen, bis sie endlich das rettende Symbol, eine Flagge, finden. Die meisten Seiten sind ins Englische und auch teilweise Italienische übersetzt. Wozu sollte man dann Deutsch lernen, denken sich die Schüler insgeheim. In der Tat ein toller Service, der sicherlich mehr Touristen nach Berlin lockt, aber für Deutsch-Lehrende im Ausland eher zweifelhafte Konsequenzen hat.

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