Auf dem Tablett

Plötzlich in der Pause werde ich von meiner Lehrerin angesprochen, dass in wenigen Minuten eine Klasse einer anderen Schule bezüglich des Schulwechsels und der damit anstehenden Sprachenwahl im linguistischen Labor sein wird. Krampfhaft überleben wir, wie wir Lust auf Deutsch bei den Schülern wecken können. Vielleicht ein Lied?
Es bleibt keine Zeit, wir müssen sofort in den Raum, die Spanisch-Lehrerin hat bereits ordentlich Werbung gemacht. Also was machen wir? Erstmal erklären, dass Deutsch nicht schwer ist und dann wird die lustige Vokabelkiste ausgepackt – Kartoffel, Vater, Mutter, Schweinsteiger – die Schüler können ja schon so viel Deutsch, ohne es bereits gelernt zu haben. Vielleicht hätten wir noch das deutsche Menü von McDonalds rezitieren sollen. Von schwachen & starken Verben oder Präpositionen erzählen wir jedoch lieber nichts.
Selbst in dem Fall, dass jetzt viele dieser Schüler Deutsch lernen wollen, frage ich mich, ob wir uns einen Gefallen damit tun. Wird nicht ein Großteil der Schüler nicht nach zwei, drei Jahren angekotzt im Klassenzimmer sitzen und in die innere Migration gegenüber Deutsch eintreten? Mich hat das Aufzeigen von Potemkischen Dörfern angeekelt, was für ein Bild von Schule wird hier vermittelt? Vielleicht sollten wir demnächst einen Marketing-Experten einer Privat-Hochschule anstellen, der uns für die Akquise von Neukunden behilflich sein kann.

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