Mutti ist immer dabei

Beim Blog von niemehrschule kann man einen gut pointierten Beitrag zur Rolle der Eltern in der heutigen Schullandschaft lesen. An meiner Schule (oder vielleicht auch in ganz Italien) haben die Eltern ebenfalls einen besonderen Status, über den ich mich bereits vor einigen Monaten geäußert habe.
Das Vertrauensverhältnis zwischen mir und meiner Tutorin ist nun schon so weit, dass wir selbst ihre Elterngespräche reflektieren. Dabei merkt man, wie die Eltern die Schulpolitik mitbestimmen oder es zumindest versuchen. Beispielsweise gibt es derzeit das Problem, dass kaum neue Deutschklassen aus jüngeren Jahrgängen nachkommen und insofern die vorhandenen Kurse gehalten werden müssen. Es gibt nun eine Liceo-Klasse, die ein hohes Niveau hat und bei der ich auch generell den Eindruck hatte, dass alles in Butter ist. Jedoch kamen letztens zwei Mütter zur Sprechstunde und kokettieren damit, dass ihre Töchter eventuell kein Deutsch mehr ab dem kommenden Schuljahr lernen wollen. Dies war für meine Lehrerin ein Schock, da dies eine Klasse weniger bedeuten könnte und außerdem die Schüler relativ interessiert in den Stunden waren. Eine Mutter wollte sogar mit der Direktorin über die Situation im Kurs reden. Ich frage mich, was mit solchen Nebelkerzen erzielt werden soll? Den Druck auf die Lehrer erhöhen, noch bessere Noten zu geben?
Vor allem würde mich interessieren, wie die Kommunikation zwischen Eltern und Kind verläuft. So haben wir für einige der oben genannten Schüler arrangiert, dass sie ein externes Sprachexamen absolvieren können und dafür können sie auch an einem von uns organisierten Vorbereitungskurs teilnehmen. Dieser ist jedoch schon zwei Mal ausgefallen, da ein Großteil der Schüler andere Fächer lernen musste. Jetzt kommt die ehemalige (!) Deutschlehrerin dieser Klasse auf mich zu und berichtet von einer aufgeregten Mutter, die sich daher Sorgen um das erfolgreiche Abschneiden beim Examen macht. Vielleicht sollte sie mal ihre Tochter fragen, warum es keinen Kurs gab und nicht direkt die „höhere Instanz“ aufsuchen.
Im Übrigen sind die Lehrer in der Rolle als Eltern auch nicht viel besser. Wenn sich eine Lehrerin Sorgen macht, ob 30 Euro Handy-Guthaben für die Klassenfahrt nach Tschechien reichen werden, kann man sich vorstellen, welche SMS-Regen auf die drei Kinder zu Hause fallen wird.

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