Saturday morning fever

Im Gegensatz zu Deutschland ist in Italien auch am Samstag Schule. So hat mein persönlicher Lehrplan einen Drift in Richtung Wochenende, da ich von Donnerstag bis Samstag mit zehn Unterrichtsstunden gut ausgefüllt bin. Prinzipiell ist Unterricht am Samstag sicherlich keine schlechte Idee, da die Schüler sich beispielsweise am Freitag kaum abfüllen können, wenn sie am nächsten Tag um 8 pünktlich in der Schule sein wollen.

Nun ergeben sich in der Praxis jedoch einige Schwierigkeiten, die am Sinn des samstäglichen Unterrichts zweifeln lassen:

  • Die Stunden am Samstag werden als erster Unterrichtstag für Extra-Aktivitäten „geopfert“. Eine Klasse von mir hatte in diesem Kalenderjahr folgende Veranstaltungen, die jeweils in meine Samstagsstunden fielen: Referat über Alkohol am Steuer, Fotoausstellung über den Mauerfall, Erste-Hilfe-Kurs, Podiumsdiskussion über die italienische Verfassung, Erholungstag nach einer Klassenfahrt,…
  • Viele Schüler haben Hobbys wie Fußball (männlich) und Volleyball (weiblich), spielen in Klubs und am Samstag sind üblicherweise die Ligapartien. Hier gibt es also oft Kollisionen mit den letzten zwei Unterrichtsstunden.

Durch den Samstag ist der Unterricht an den anderen Wochentagen schon um 13 Uhr beendet. Allerdings frage ich mich, ob mit einer entsprechenden Mittagspause nicht noch zwei Stunden zu machen sind und damit der Samstag hinfällig werden könnte. Zudem könnte dadurch die enorme zeitliche Spannung aus dem Schulalltag genommen werden. Es ist nicht gerade leicht, organisatorische Angelegenheiten mit Schülern in 15 Minuten Pause abzuwickeln, insbesondere wenn sie aus verschiedenen Klassen kommen.

Allerdings fehlt für eine solche Änderung zunächst die Infrastruktur (es gibt beispielsweise keine Mensa im Gebäude, die gleichzeitig als Aufenthaltsraum dienen könnte) und zweitens ist auch fraglich, ob der Wille der Lehrer und Schüler dafür gegeben ist. Viele Lehrer haben Kinder und halten es für selbstverständlich, ihre Zöglinge von der Schule abzuholen, ihnen das Mittagessen herzurichten und sie zu den Aktivitäten am Nachmittag zu begleiten. Auch die Schüler sind diesen Takt gewohnt und empfinden beispielsweise Unterricht nach 13 Uhr als Bestrafung (in der Tat gibt es am Nachmittag nur die „lezioni di recupero“, also Nachsitzen bei schlechten Noten). Daher erscheint es zweifelhaft, ob in Zukunft der Samstag als Unterrichtstag wegfallen wird, da hierfür auch ein grundlegender Mentalitätswandel notwendig wäre.

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2 Gedanken zu “Saturday morning fever

  1. In Österreich hatten wir bis vor wenigen Jahren Unterricht am Samstag. Das Drängen der Eltern (und SchülerInnen) auf ein langes Wochenende ist immer heftiger geworden – jetzt gibt es keine Samstagsschulen mehr. Dafür mehr Stress unter den Woche (Nachmittagsunterricht) und mehr Feiern/Saufen am Wochenende (gegen den Stress?).

    1. Also ist es immer stressig an der Schule, egal ob Samstag Schule ist oder nicht? Hier ist der Samstag auch noch eher als Werktag akzeptiert, das merkt man an Kleinigkeiten wie dem Busplan, der identisch zu dem von normalen Werktagen ist. Insofern wird auch weniger am Freitag weniger gezecht, dafür ist eben ganz und ausschließlich der Samstag reserviert.

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