Zum Status quo an den italienischen Schulen

Wer sich einen Überblick über die derzeitige Situation an den italienischen Schulen und insbesondere über die Lage der Lehrer machen möchte, dem kann ich nur diesen Artikel in der „Repubblica“ empfehlen. Fernab von der aktuellen Reformdebatte um Gelmini beleuchtet er vielschichtig, unter welchen Bedingungen heute in Italien an der Schule gelehrt und gelernt wird. Die Daten entstammen einer Studie, die seit 1990 alle zehn Jahre an italienischen Schulen jeglichen Typs durchgeführt wird. Hier einige markante Punkte, die man auch gerne im innereuropäischen Kontext beleuchten könnte:

  • Die individuelle Motivation der Lehrenden: Rund 80 % der angestellten Lehrer würde wieder den gleichen Beruf ergreifen. Gegenüber der letzten Studie ist damit eine Steigerung um rund zehn Prozentpunkte festzustellen und dieser Anstieg gilt ausnahmslos für alle Schultypen. Mit knapp über 60 % wird die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als Hauptmotivation für das Engagement als Lehrer angegeben. Rund drei Viertel der Befragten gab an, dass „Berufung“ und nicht praktische Gründe (viel Freizeit, sicherer Arbeitsplatz,…) zur Wahl des Lehrerberufs führten.
  • Die sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen: Insbesondere an der „scuola media“ (für Kinder im Alter von 10 bis 14)  ist eine massive Überalterung des Lehrkörpers festzustellen (70 % der Lehrer ist über 50 Jahre alt). In den unteren Schultypen fällt die enorme „femminilizzazione“ der Lehrerschaft auf. Als allgemein problematisch empfunden wird die verzögerte Einstellungsdauer in den Schuldienst sowie die im europäischen Vergleich niedrigen Gehälter.
  • Lehren und Lernen bei Lehrern: Kurz gesagt fühlen sich die italienischen Lehrer fit in ihrer jeweiligen Materie, aber nicht im Unterrichten. Neun von zehn Lehrern haben keinen „corso di specializzazione“, das italienische Äquivalent zum Referendariat, absolviert. Interessant ist auch der Umstand, dass ein Großteil der Lehrenden Computer & Internet besitzt, diese jedoch ausschließlich zur Vorbereitung des Unterrichts benutzt werden, allerdings nicht während der Stunden. Der Artikel spricht auch von einer Rückkehr des Frontalunterrichts, ohne dies jedoch genauer zu spezifizieren. Zu notieren ist außerdem, dass die Hälfte der Lehrer sich ohne objektive Maßstäbe zur Bewertung der Schülerleistungen fühlt und somit vor allem den Fortschritt und das Bemühen des einzelnen Studenten als wichtigstes Kriterium des Lernerfolgs heranzieht.
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