Endspurt

Dieser Tage finden in Italien die schriftlichen Teilprüfungen des „Esame di maturità“ statt. In den meisten Fällen besteht diese Prüfung aus drei Komplexen, welche vom Typ der Sekundarschule abhängen. Eine Konstante gibt es jedoch, die „prima prova“ ist immer für das Fach Italienisch durchzuführen.
Den Schlusspunkt setzt die „prova orale“, eine mündliche Komplexprüfung. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man dafür meist ein bestimmtes Fach auswählt, werden in Italien alle in der letzten Klassenstufe behandelten „materie“ geprüft. Deshalb besteht die Prüfungskommission meist aus fünf, sechs Lehrern. Der einzelne Schüler hat die Möglichkeit, insbesondere für die humanistischen Fächer eine „tesina“ anzufertigen, die ein thematische Problem aus der Perspektive verschiedener Geisteswissenschaften analysiert. Dieses Heft dient dann als Leitfaden für das Prüfungsgespräch. Falls keine „tesina“ abgeliefert wird, kann ins Blaue hineingefragt werden.
Die mündliche Prüfung hat einen mythischen Ruf in Italien und somit auch Eingang in die Populärkultur gefunden. Beispiele dafür sind die Filme „La notte prima degli esami“ und „Che ne sarà di noi“. Wer sich einmal eine solche Prüfung – cineastisch transformiert – anschauen möchte, dem seien folgende Videos empfohlen:

Für deutsche Augen etwas befremdlich ist wohl der Umstand, dass diese Prüfungen öffentlich sind und dadurch eine Atmosphäre wie im Wartebereich der Post entsteht.  Italienische Schüler sind diese Art geprüft zu werden jedoch völlig gewöhnt, da mündliche Befragungen auch in den Schuljahren davor einen zentralen Bestandteil des Unterrichtsgeschehens darstellen. An der Universität setzt sich diese Tradition fort, mündliche Prüfungen gehören dort – im Gegensatz zu Deutschland – zum Tagesgeschäft und sind nicht nur am Ende des Studiums zu finden.

Stammbaum im Schnellwaschgang

Wer ohne Komplikationen einen Stammbaum erstellen möchte, kommt mit Programmen wie Word schnell an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Für die rasche Aufzeichnung der eigenen oder einer imaginären Familie empfehle ich deshalb einen Blick auf das Projekt Geni. Dort kann man auch weitere Dateien wie Geburtsdatum oder Fotos einfügen und man hat innerhalb von 15 Minuten einen ausführlichen, präsentablen Stammbaum.

Die ewigen Ferien

Vielleicht mag es etwas verwundert haben, dass ich in meinem letzten Artikel von einem freiwilligen Ferien-Kurs sprach. Jedoch liegt dies an der Ferien-Struktur in Italien, welcher mit derjenigen in Deutschland kaum Parallelen aufweist. Das italienische Schuljahr läuft in der Regel von Mitte September bis Anfang Juni, dazwischen gibt es die zwölfwöchigen Sommerferien. Regionale Unterschiede sind kaum festzustellen, dieses Beispiel eines Schuljahres im Veneto könnte ohne große Modifikationen auch auf andere Regionen Italiens übertragen werden. Wie man sehen kann, gibt es kaum größere Verschnaufpausen während des „anno scolastico“, wie Herbst- oder Pfingstferien, und dies führt summa summarum zu einer starken Konzentration der Unterrichtstage innerhalb des beschriebenen Zeitraums.
Vor einigen Wochen wurde der Vorschlag publik, diese bereits sehr langen Sommerferien noch bis Anfang Oktober auszudehnen. Dies ist keine komplett neue Idee, da dies bereits in den 60er Jahren so praktiziert wurde. Der Abgeordnete der „Popolo della Libertà“, Giorgio Costa, motiviert seinen Einwurf vorrangig mit ökonomischen Gründen: Eine Verlängerung der Schulferien könnte für die angeschlagene italienische Tourismus-Branche hilfreich sein.
Natürlich blieb dieser Vorschlag nicht ohne kritische Repliken: Bereits auf den ersten Blick erscheint es fraglich, wie die Eltern aus finanzieller Sicht ihren Zöglingen zwei weitere Wochen Ferien gönnen können. Es ist wahrscheinlicher, dass die Kinder und Jugendlichen dann ihren Freizeitaktivitäten in der heimatlichen Umgebung nachgehen werden. Der wirtschaftliche Effekt der Verlängerung würde somit verpuffen. Dazu wurde bemängelt, dass durch eine solche Reform die Anzahl der Schultage unter den kritischen Wert von 200 fallen würde. Zudem müsste berücksichtigt werden, wie sich damit die Situation der vielen mit Zeitverträgen angestellten Lehrkräfte (precari) entwickeln würde. Für diese würde sich der Zeitraum der temporären Arbeitslosigkeit verlängern.
Generell erscheint diese Reform-Idee doch eher ein „Luftschloss“ zu sein, um von den zahlreichen anderen strukturellen Problemen (insbesondere die dramatische Unterfinanzierung) des italienischen Bildungswesens abzulenken.

Überschätzt

In dieser Woche hatte ich also den Sommerkurs zu leiten und ich muss sagen, dass ich viele Aspekte, welche auch in dem vorhergehenden Artikel erwähnt wurden, schlecht eingeschätzt hatte. Allgemein bin ich davon ausgegangen, dass die Schüler freiwillig am Kurs teilnahmen und somit eine gewisse Lust & Ausdauer am Lernen mitbringen. Aber Fehlanzeige, es schien mir eher, dass die Eltern den Kurs als Ferien-Parkstation für ihre Zöglinge belegten, ohne sich für deren Motivation zu interessieren. Insofern musste ich auch oft meine Kenntnisse des Italienischen im Imperativ und der Konditionale unter Beweis stellen, was ich für einen freiwilligen Kurs generell eher albern finde.

Das Programm war vorrangig auf Lieder, Rätsel und Spiele ausgerichtet, viele Methodenwechsel, keine Grammatik, wenig trockene Wortschatzarbeit. Das hat alles nur wenig genutzt, es war im Allgemeinen eine genervte und lustlose Atmosphäre zu verspüren. Die einzige Methode, mit der man die Motivation der Schüler zumindest kurzfristig steigern konnte, waren Spiele mit Wettbewerbscharakter. Beim Bingo – ein Spiel, welches erwachsene Deutsch-Lerner eher langweilt – waren alle voll dabei und insbesondere die Jungs versuchten, in Filippo-Inzaghi-Manier zu gewinnen. Nett war auch das digitale Memory mit MyBrainTrainer, beispielsweise mit Flaggen oder Sehenswürdigkeiten.

Am Ende des Kurses haben wir noch einen Film geschaut und zwar „Ein Freund von mir“ mit Daniel Brühl und Jürgen Vogel (hier das zugehörige Arbeitsblatt. Hier hat sich schön gezeigt, wie gering die Aufmerksamkeitsschwelle der 12- und 13-jährigen war. Der Film dauerte nur rund 80 Minuten, allerdings hat schon der Großteil des Kurses nach der ersten Hälfte des Kurses abgeschaltet und sich mit Papierfliegern basteln auseinandergesetzt. Vielleicht wäre es besser, wenn man dafür nächstes Jahr einen Sommerkurs alternativ anbietet?! Talent scheint auf jeden Fall vorhanden zu sein.

Ein Lebenszeichen aus der italienischen Sommerschwüle

Eigentlich ist meine offizielle Tätigkeit als Fremdsprachenassistent in Italien bereits seit zwei Wochen beendet. Die letzten Tage an meiner Schule waren schon sehr bewegend und stellten gewissermaßen einen schönen ideellen Lohn für die Mühen des vergangenen Schuljahres dar. Beeindruckt war ich von der Kreativität vieler Schüler, die mir und meiner Lehrerin zum Abschied kleine Geschenke wie ein Poesie-Album oder eine PowerPoint-Präsentation machten. Es waren auch Klassen dabei, von denen wir nicht unbedingt den Eindruck gewannen, dass sie der deutschen Sprache eine große Liebe  entgegenbringen. Umso bemerkenswerter war es jedoch, dass sie  sich die Zeit und Energie nahmen.

Kommende Woche bin ich als Lehrer bei einem Deutsch-Sommerkurs für Schüler einer „Scuola media“ tätig. Das ist ein ziemliches Überraschungsei für mich, da ich weder die Schüler noch das Ambiente der Schule richtig gut kenne. Auch wird es das erste Mal sein, dass ich mit einer Klasse einer italienischen Mittelschule arbeiten werde. Bisher war ich ja an einem Institut, welches nur Schüler im Alter von 14 bis 19 Jahre beherbergte. Vor allem interessiert mich, wie die Disziplin der Schüler aussehen wird. Allerdings bin ich diesbezüglich frohen Mutes, da der Kurs „freiwillig“ ist und insofern ein Großteil der unmotivierten Schüler die Zeit zu Hause mit Comic-Serien und den Spielen der Fußball-WM verbringen wird.

Etwas problematisch ist der Umstand, dass die Schüler noch im A1-Niveau anzusiedeln sind und somit viel nettes Material nicht zumutbar ist.  Da werden sicherlich etwas Improvisation und einige italienische Erklärungen notwendig sein. Morgen beginne ich jedenfalls mit zwei Kennenlernspielen, eines für mich und eines für die Schüler. Bei meiner „Vorstellung“ werde ich einige Stichwörter an die Tafel kritzeln und die Schüler müssen dazu Fragen formulieren. Mit den Schülern werde ich das Klopapier-Spiel durchführen. Das heißt, dass jeder Teilnehmer beliebig viel Blatt Toilettenpapier nehmen kann und pro Blatt etwas über sich erzählen muss. Natürlich kommt die Erklärung dieses Spieles erst nach dem Austeilen des Papiers. Ich bin auf jeden Fall auf das Gesicht der Schüler nach der Auflösung des Spielprinzips gespannt.

Verloren in einer Welt, die so fern war von der Liebe…

Kaum ein anderes Thema ist wohl mehr für den Einsatz von Liedern im Deutsch-Unterricht geeignet als das Feld „Liebe“. Daher habe ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, einen deutschen Song dort einzusetzen, in diesem Fall „Spooky Girlfriend“ von Olli Schulz & der Hund Marie. Der Inhalt des Liedes ist etwas depressiv, wird allerdings durch den flotten Sound aufgehellt. Aus sprachdidaktischer Sicht interessant ist der Einsatz vieler Adjektiven im Liedtext, welche das Seelenleben des Protagonisten nach dem Ende der Beziehung beschreiben. Als ergänzende Aufgabe könnte man die konträren Adjektive nennen lassen, vielleicht auch mit Hilfe eines Kreuzworträtsels. Anspruchsvoller und kreativer wäre noch eine Einzel- oder Beziehungsberatung, die durch ein Gutachten oder ein Interview verwirklicht werden könnte.