Die ewigen Ferien

Vielleicht mag es etwas verwundert haben, dass ich in meinem letzten Artikel von einem freiwilligen Ferien-Kurs sprach. Jedoch liegt dies an der Ferien-Struktur in Italien, welcher mit derjenigen in Deutschland kaum Parallelen aufweist. Das italienische Schuljahr läuft in der Regel von Mitte September bis Anfang Juni, dazwischen gibt es die zwölfwöchigen Sommerferien. Regionale Unterschiede sind kaum festzustellen, dieses Beispiel eines Schuljahres im Veneto könnte ohne große Modifikationen auch auf andere Regionen Italiens übertragen werden. Wie man sehen kann, gibt es kaum größere Verschnaufpausen während des „anno scolastico“, wie Herbst- oder Pfingstferien, und dies führt summa summarum zu einer starken Konzentration der Unterrichtstage innerhalb des beschriebenen Zeitraums.
Vor einigen Wochen wurde der Vorschlag publik, diese bereits sehr langen Sommerferien noch bis Anfang Oktober auszudehnen. Dies ist keine komplett neue Idee, da dies bereits in den 60er Jahren so praktiziert wurde. Der Abgeordnete der „Popolo della Libertà“, Giorgio Costa, motiviert seinen Einwurf vorrangig mit ökonomischen Gründen: Eine Verlängerung der Schulferien könnte für die angeschlagene italienische Tourismus-Branche hilfreich sein.
Natürlich blieb dieser Vorschlag nicht ohne kritische Repliken: Bereits auf den ersten Blick erscheint es fraglich, wie die Eltern aus finanzieller Sicht ihren Zöglingen zwei weitere Wochen Ferien gönnen können. Es ist wahrscheinlicher, dass die Kinder und Jugendlichen dann ihren Freizeitaktivitäten in der heimatlichen Umgebung nachgehen werden. Der wirtschaftliche Effekt der Verlängerung würde somit verpuffen. Dazu wurde bemängelt, dass durch eine solche Reform die Anzahl der Schultage unter den kritischen Wert von 200 fallen würde. Zudem müsste berücksichtigt werden, wie sich damit die Situation der vielen mit Zeitverträgen angestellten Lehrkräfte (precari) entwickeln würde. Für diese würde sich der Zeitraum der temporären Arbeitslosigkeit verlängern.
Generell erscheint diese Reform-Idee doch eher ein „Luftschloss“ zu sein, um von den zahlreichen anderen strukturellen Problemen (insbesondere die dramatische Unterfinanzierung) des italienischen Bildungswesens abzulenken.

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