Mit mehr Singles besser dran?

Die Schule, an der ich jetzt tätig bin, hat eine ziemlich gute Reputation, beispielsweise bei den Abiturprüfungen erreichen die Schüler landesweit gesehen überdurchschnittliche Resultate. Das spricht sich allgemein herum und meine Schule hat somit keine Probleme, neue Schüler zu gewinnen (in den Niederlanden haben die Eltern viel Freiheit bei der Auswahl der Schule für ihre Zöglinge).

Die Qualität einer Schule lässt sich natürlich anhand unzähliger Faktoren bestimmen, aber sicherlich spielt das Lehrpersonal eine zentrale Rolle. Wir haben hier ein sehr bunt gemischtes Kollegium, von alteingesessenen „Paukern“ über Quereinsteiger und Teilzeitlehrern bis hin zu Studenten im fortgeschrittenen Semester. Was jedoch sehr häufig bei den Lehrern anzutreffen ist, dass sie Singles sind bzw. Beziehungen ohne Kinder führen. Dies klingt vielleicht erst mal beunruhigend, schließlich erwartet man doch irgendwie von einem Pädagogen, dass er ein „geregeltes Familienleben“ hat. Jedoch glaube ich, dass dies eventuell ein Element des Erfolgs der Schule darstellt.

In Italien war beispielsweise der Schulalltag vieler Lehrer prinzipiell auf Kind & Kegel ausgerichtet. Spätestens um 13 Uhr wurde die Heimreise angetreten und die Familie stand von nun an im Vordergrund. Schulische Aktivitäten am Nachmittag & Abend waren somit ausgeschlossen. An meiner jetzigen Schule sind viele Lehrer dahingehend unabhängiger und können mehr Energie in schulische Belange jeglicher Art investieren, sei es die Optimierung des Unterrichts, Weiterbildung oder die allgemeine Ausgestaltung des Schullebens. So waren diesen Mittwoch Nachmittag Theaterdarsteller hier und haben mit den Schülern über ein Stück diskutiert. An meiner Schule in Italien wäre dies terminlich schlichtweg nicht tragbar gewesen, vom Organisationsaufwand eines solchen Treffens nicht zu sprechen.

Ein immer wieder genannter Vorteil der Lehrerberufs ist die recht gute Vereinbarung mit familiären Belangen. Natürlich machen auch viele Lehrer mit Familie einen fantastischen Job, das will ich nicht absprechen. Vielleicht identifizieren sich aber Single-Lehrer tendenziell stärker mit dem Schulleben, was natürlich nicht nur positive Konsequenzen haben muss (Stichwort „Burn-Out“).

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2 Gedanken zu “Mit mehr Singles besser dran?

  1. WIE WAHR!!!! Du triffst meiner Meinung nach ins Ziel!
    In Italien diskutiert man ständig über die Qualität der Lehrer, über ihre Ausbildung usw. und ich habe immer schon gedacht, es geht um zu viele Frauen und die Frauen in Italien sprechen ständig und nur über ihre lieben Kinder, die immer die Mama brauchen, und über die Ehemänner, die doch nichts zu Hause tun, und über alles bis auf ihre Arbeit in der Schule. Die kommt immer als letzte, ein schweres Unglück, das man dulden muss, damit man das Geld bekommt (und da viele eben Ehefrauen sind, ist das Geld wohl für eine Gucci-Tasche auszugeben). Weniger Frauen, mehr Männer, das wäre gut!
    Wie sind übrigens die Protzente Männer vs Frauen bei dir in der Schule? Ich arbeite in einer Scuola media, da sind fast alle Frauen. Wenn ich jedoch an manche männliche Kollegen denke, habe ich den Eindruck, dass auch viele Männer doch nicht so engagiert sind. Das passiert oft, weil die Männer ihre Kräfte nicht für die Familie, sondern für ihre 2. Stelle brauchen, letztes Jahr hatte ich zwei Architekten als Kollegen und für sie war die Schule so gut ein Hobby…

    1. Ich will sicherlich keine Schwarzmalerei betreiben, aber die von dir beschreibenen Zustände kenne ich in gewisser Weise. Viele Lehrerinnen definieren sich meiner Meinung nach sehr stark über ihre Familie, besonders das Wohl der eigenen Kinder wird gern mal schulischen Belangen übergeordnet.
      Der Männer-Anteil an meiner Schule lag wohl bei 25 %, jedoch gab es beispielsweise keine Sprachlehrer, die meisten Männer waren in naturwissenschaftlich-technischen Fächern zu finden. Eine zweite Stelle hatten davon auch viele, inwieweit das auf die Motivation durchschlieg, kann ich schlecht beurteilen.

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