Digitale Mainzelmännchen

Gestern und heute habe ich jeweils einer Stunde beigewohnt, in der Schüler einen Zeitungsartikel in Deutsch schreiben sollten. Die Themen waren äußerst weitläufig (von Rooneys Traumtor bis hin zu Berlusconi-Anfeindungen) und wurde bei der Übersetzung noch vor 10 Jahren in ranzigen Wörterbüchern herumgewühlt, so werden nun die Suchmaschinen gefüttert. Speziell bei Google kamen teilweise brauchbare Textbruchstücke heraus, so dass sich gerade die schwachen Schüler fragen könnten, ob sich der Aufwand für eine saubere Übersetzung denn lohne. Daher haben mein begleitender Lehrer und ich uns gefragt, ob man die Aufgabe beim nächsten Mal nicht wieder puristischer angehen sollte, also ohne digitale Hilfen. Prinzipiell muss man sich wohl wie bei der Einführung neuer Taschenrechner im Mathematik-Unterricht fragen, ob dadurch nicht gewisse Fähigkeiten abhanden kommen oder ob der Mehrwert doch größer ist. Ich glaube zumindest nicht an Letzteres, da die Aktivierung des potentiellen Wortschatzes durch elektronische Hilfen nicht angeregt wird und eher ein digitales Abbild der Wörterbuch-Gläubigkeit entsteht.

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Immer nach aussen gerichtet

An meinem Gymnasium sind die Schüler häufig außerhalb des Schulgeländes unterwegs: Die „Olympiaden“ der diversen Fächer, Kulturwochen oder ein „Open Dag“ an einer Universität.  Letzteres geschieht häufig während der Unterrichtszeit, gerade in den letzten beiden Klassenstufen sogar mehrmals pro Jahr. Die Schule hat auch einen „decaan“, welcher beispielsweise mit Schülern die individuellen Berufsvorstellungen bespricht. Orientierung wird hier also recht professionell angegangen. Während meiner Zeit als Schüler war das eher Privatvergnügen, in Italien hatte ich den gleichen Eindruck.

Aber nicht nur die Universitäten machen hier viel Reklame, auch die Schulen müssen eine gewisse Öffentlichkeitsarbeit an den Tag legen. Vor einer Woche war hier an der Schule ebenfalls ein Tag der offenen Tür, allerdings nicht nur zur Bespaßung von Schüler- und Lehrerschaft. Es ging darum, neue Schüler anzuwerben, da in den Niederlanden diesbezüglich (zumindest geographisch gesehen) fast völlige Freiheit besteht. Schnupperstunden in fast allen Fächern wurden gegeben, ein Shuttle-Bus fuhr zum derzeit zu renovierenden alten Schulgebäude und für die Verpflegung wurde reichlich gesorgt. In der letzten Ausgabe der schuleigenen Zeitung gab es sogar einen Zwischenstand, wie viel Neuanmeldungen schon eingetroffen sind. Und andere Colleges können es sich sogar leisten, Plakate mit lachenden Jugendlichen im Stadtzentrum aufhängen zu lassen.