Die ewige Korrektur

Vielleicht sollte man angehenden Lehrern mal einen Stapel Korrekturarbeiten auf den Tisch werfen und innerhalb weniger Tage korrigieren lassen. Dann kriegt man einen guten Vorgeschmack auf den für viele Lehrer unangenehmsten Part des Jobs. In den Medien wird über ausgebrannte Lehrer diskutiert, die Unmengen an Korrekturen tragen dazu sicherlich einen wichtigen Teil bei. Die eigentlich freie Zeit wird durch Papierstapel erstickt, sei es in den Ferien oder am Wochenende. Wer damit nicht umgehen kann und sich nach 9-till-5-Strukturen sehnt, wird mehr oder weniger schnell in eine Frustrationsspirale geraten. Ich weiß selbst nicht, was dabei unangenehmer ist: Stupide Multiple-Choice-Fragebögen oder unendlich lange Aufsätze?

Gibt es eigentlich Lehrer, die Korrigieren besser als Vorbereiten & Unterrichten finden? Falls ja, könnte man sich mal überlegen, solchen Kollegen weniger Präsenzstunden zu geben und dafür mehr korrigieren zu lassen. Diese Idee wurde zuletzt von meinem Betreuer aufgeworfen. Prinzipiell ein interessanter Vorschlag, aber wahrscheinlich stehen dem in der Praxis viele Hürden im Weg. Die Aufgabenteilung zwischen zwei Lehrern dürfte organisatorisch nicht einfach zu machen sein und würde wahrscheinlich den ursprünglichen Zeitgewinn wieder wegfressen. Allein bei MP-Tests dürfte das Prinzip ohne größere Schwierigkeiten greifen.

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Gehängt

Letztens stand das Thema „Todesstrafe“ an, für das ich auch mal wieder eigene Arbeitsblätter erstellen wollte. Hierfür habe ich verschiedene Quellen angezapft:

Die Stunden liefen gut durch, gerade bei Nietzsche wurde eifrig und energisch diskutiert.

Aprilscherz

Wenn man sich so anschaut, was so als „Aprilscherz“ heute durch die Medien geisterte, bin ich doch sehr angetan von dem Jux, der an meiner Schule die Runde machte: Ein Lehrer schickte per Mail ein Exposé an die Kollegen, Inhalt war das neue Fach „Sprachen – Literatur – Psychologie“. Dies war eine Reaktion auf die Bestrebungen der naturwissenschaftlichen Fächer, ein weiteres Verbindungsfach zu etablieren. Wie es sich für einen guten Aprilscherz gehört, grief er geheime Begehrlichkeiten auf und regte zunächst zu einer angeregten Diskussion an.

    Ansonsten war ich die vergangenen Tage mit ungefährt 30 mündlichen Literaturprüfungen beschäftigt. Man erkennt während dieser Prüfungen viele verschiedene Schülertypen:

    • Einige Schüler kennen jegliche Textstelle des Werkes, können die Erzählung allerdings nicht historisch eintakten. So geschehen bei Heins „Der Tangospieler“ oder Andres‘ „Wir sind Utopia“, damit geht die Intention der Erzählung natürlich zu 90 % am Schüler vorbei.
    • Andere Prüflingen können hervorragend Lessing und Döblin erläutern, sind aber zu faul, um sich die jeweilige Epoche einzuprägen.
    • Überrascht war ich von den vielen positiven Reaktionen der Schüler auf die gelesenen Werke. Gerade bei Autoren wie Hesse war häufig viel Enthusiasmus zu sehen, was jedoch bei den Prüfern ins Gegenteil umschwang. Wir waren beispielsweise ein wenig satt von „Siddhartha“ und haben uns gerade bei den letzten Examen auf die beiden anderen Werke konzentriert.
    • Man entdeckt sich selbst als jemand, der (vielleicht zu engstirnig) einen bestimmten Epochenbegriff erwartet oder der sich auf bestimmte Eigenheiten eines Textes (z.B. Satzstrukturen bei Goethes „Werther“) einschießt.