Kinderkiste

Ein Teil meines Praktikums am Goethe-Institut, welches die Zeit zum Referendariat überbrücken soll, ist die Arbeit als Zweitlehrer bei jungen Deutschschülern, konkret mit Kinderm im Alter von 5 bis 13 Jahren. Meine Erfahrungen beim Unterrichten von Grundschülern tendieren gegen Null und ich habe dies in den ersten Stunden auch deutlich gespürt. Ich dachte, ein bißchen Basteln, Spielen und Singen, das wird schon kein großes Problem darstellen.  Jedoch sind die Schüler genial darin, mit relativ wenig Material ein unendliches Chaos im Raum anzurichten. Auf der anderen Seite gibt es auch Kniffe, mit denen man die Kinder zum Aufräumen motivieren kann. Meine Begleiterin spielt sowohl vor der Pause als auch vor dem Ende der Stunde einen sogenannten „Aufräum-Rap“ ein, der wie ein Countdown arbeitet und unsere Schüler auf einmal zu emsigen Ameisen mutieren lässt. Ich mag diese effektive Naivität, genauso wie das ständige und ehrliche Interesse der Kinder. Es stimmt wirklich, wenn eine Aktivität ansteht, gibt es kein Raunen oder jenen mentalen Widerstand innerhalb der Schülergruppe, den man als Lehrkraft an höheren Schulen fast immer zu überwinden hat. Daran muss man sich auch erstmal gewöhnen.

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In der Bücherbucht

In Reiseführern über Italien wird quasi nie erwähnt, dass es in jeder größeren Stadt wunderbare Bücherläden gibt. So findet man in Neapel zwischen Piazza Bellini und Piazza Dante eine Gasse, die Via Port’Alba, voll mit kleinen Schatzkammern. Dort in einem etwas größeren Geschäft gab es gestern auf der zweiten Etage eine besondere Lesung, direkt für Kinder. Eine zierliche Frauenstimme rezitierte dort neapolitanische Märchen, die Kinder lauschten ihr und die Mütter hatten mal eine gute halbe Stunde um sich zu entspannen.
Als Gegenmodell zu den kleinen Bücherstuben stehen die Filialen von Feltrinelli, der italienischen „Thalia“. Diese Kette entwickelte sich aus dem gleichnamigen Verlag in den 50er Jahren heraus. Ähnlich wie Einaudi hatte dieser Verlag eine starke führende Hand, Giangiacomo Feltrinelli, welcher die Arbeit als Verleger auch als politische Tat begriff: Cambiare il mondo con i libri, combattere le ingiustizie con i libri (Mit Büchern die Welt verändern, mit Bücher die Ungerechtigkeiten bekämpfen). Und tatsächlich, wenn man in eine Filiale von Feltrinelli hineinspaziert, spürt man intensiv dieses Engagement. Im Gegensatz zu vielen deutschen Büchergeschäften liegen philosophische Werke und gehobene (internationale) Belletristik nicht in einer verwinkelten Ecke, sondern springen dem Besucher direkt ins Auge. Im Geschäft in Perugia waren sogar die Wände mit Autoren-Portraits im Andy-Warhol-Stil verziert. Wo findet man so etwas in Deutschland?

Nachgeholfen

Herr Rau fragt, wie man mit dem Thema Nachhilfe im Schulalltag umgehen sollte. Die bisherigen Kommentare zu diesem Artikel deuten an, dass es dafür (natürlich!) kein Patentrezept gibt und in dem Bereich keine professionellen Strukturen bestehen. Ich finde es bemerkenswert, dass kommerzielle Nachhilfeinstitute nicht auf die Schulen zugehen und Kooperationen anbieten. Gibt es da juristische Bedenken?

Meine Schule in den Niederlanden hatte zumindest ganz offiziell eine Kooperation mit einer privaten Einrichtung, eine Lehrerin war dort sogar engagiert. Allerdings wurde hier nicht von Vetternwirtschaft gesprochen, im Gegenteil, die Zusammenarbeit erschien mir effektiv, da sie als Schnittstelle zwischen Schüler, Eltern, Schule und ihrer Einrichtung fungierte und somit nicht so isoliert wie die hiesigen Nachhilfe-Institute agierte. Generell fand ich die Begleitung der Schüler im psychologischen Bereich in den Niederlanden beeindruckend. Es gab sogar ein „Faalangstreductietraining“, bei dem zwei Lehrer sich um Schüler kümmern, die – auch trotz fantastischer Noten – schulische Versagensängste entwickeln.