Polylux & Ökopapier

„Das sollte in einem Unterrichtsbesuch besser nicht passieren.“ Diesen Spruch habe ich die letzten Wochen ziemlich oft gehört, zumeist wenn die Technik gestreikt hat. Und das geschieht an unserer Schule nicht gerade selten. So gibt es im Lehrerzimmer vier portable Overhead-Projektoren, von denen allerdings drei kontinuierlich defekt sind. Was „defekt“ in dem Kontext genau heißt, weiß augenscheinlich niemand und deswegen werden die Geräte auch nicht repariert. An Tagen, an denen mehrere Unterrichtsbesuche stattfinden, findet eine wilde Zettelschlacht statt: „Reserviert für Schulze – UB 4. Stunde“. Ich habe jedoch ein inniges Verhältnis zu meinem „Polylux“ im Fachraum aufgebaut und insofern hat er mich auch in den Besuchsstunden nicht im Stich gelassen.
Meine Arbeitsblätter haben auch schon für Aufruhr bei den Schülern gesorgt, aber nicht aufgrund des Inhaltes, sondern wegen deren Beschaffenheit: „Ist das Umweltpapier?“ Dies ist auch eine Konsequenz unseres jämmerlichen Kopier-Kontingents, das für Fachlehrer mit viel Texten und wenig Lehrbüchern ein ziemlich kostspieliges Unterfangen wird. Insofern heißt es frühzeitig zu wissen, wann welches Arbeitsblatt gebraucht wird und dann zügig den hiesigen Copy-Shop aufsuchen, um für die 26 hungrigen SuS eine manierliche Arbeitsgrundlage zu schaffen. Von Laminiergeräten oder Farbkopien wage ich an unserer Schule gar nicht zu träumen.
Solche Probleme ansprechen? Nicht als Referendar, wer weiß, mit welchen Mitteln dann das Imperium zurückschlagen würde.

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Flambiert oder Brot & Butter?

Im Mai mit dem Referendariat zu beginnen hat gewisse Vorteile, beispielsweise sind die Sommerferien in unmittelbarer Sichtnähe. Jedoch fast schon zu sehr – Abiturprüfungen, Kursfahrten & Praktika zerschießen den Stundenplan auf rabiate Art und Weise. In diesen effektiv sechs Wochen sind jedoch optimalerweise zwei Unterrichtsbesuche sowie ein sogenanntes EPG (Entwicklungs- und Perspektivgespräch) nach einer Unterrichtsstunde einzutakten.
Leider hat mir der Zeitplan einen Unterrichtsbesuch verweigert, ärgerlich, aber die anderen beiden Treffen waren sehr angenehmer Art. Meine Stunden waren nicht spektakulär, kein pädagogischer Budenzauber, sondern nur eine Einführung eines Hörtextes und eines grammatikalischen Phänomens. Natürlich waren die Stunden aufgepeppt, mit anregenden Folien und nicht zu stumpfsinnigen Arbeitsblättern. Wenn ich allerdings andere Referendare sehe, die mit Kugellagern oder Gruppenpuzzel hantierten, kam ich mir ein wenig altbacken vor.
Glücklicherweise fiel das Feedback nach den Stunden aber nicht so aus, im Gegenteil, es gehört eben zum Tagesgeschäft, dass solche Brot-und-Butter-Stunden durchgeführt werden müssen. Es kann nicht immer flambiert werden, so der Tenor. Seminarleiter sind also scheinbar doch keine fachdidaktischen Gottheiten, die den armen Referendar in das Methodik-Laufrad zwingen. Eine Feststellung, die beruhigt, aber natürlich gleich wieder die Frage aufwirft, ob das eine anfängliche Einstellung ist oder nicht doch im Verlauf des kommenden Schuljahres umkippt.

Anstrengend

Zwar sitze ich gerade an der Planung meines ersten Unterrichtsbesuches, aber noch bin ich nicht am Freidrehen. Im Gegenteil, die systematische Beschäftigung mit einer Stunde hat schon etwas von emsig betriebener Sezierung, verrückter Biologe lässt grüßen. Fast schon freue ich mich auf die harsche Kritik der Seminarleiterin nach meiner dann doch nicht wirklich gelungener Stunde. Ich werde einer der ersten Kandidaten unserer Schule sein, die sich dem Scherbengericht der Seminarleiter stellen. Andere Referendare haben gar nicht diese Möglichkeit zur Verfügung und müssen sich bis zum nächsten Schuljahr gedulden, da für deren Seminare keine geeigneten Lehrkräfte aufzufinden sind.
Aber anstrengend finden es generell alle Referendare, auch wenn die Geisteswissenschaftler nicht-sprachlicher Richtungen wohl am meistens zu kämpfen haben. Der Wissensvorsprung ist nicht außerordentlich groß und schnell kommt die Angst vor dem kecken Schüler auf. Dies wird wohl ein ewiger Kampf bleiben, so hat es jedenfalls unser Kernseminarleiter bestätigt. Trotz aller Klagen bin ich jedoch beeindruckt, wie methodisch nützlich dieses „Stahlbad“ dann doch bisher war. Ich glaube, dass man diese alltäglichen Aha-Effekte stärker in den Vordergrund rücken sollte, dann würde sich viel lächerliches Gejammer erübrigen.