Flambiert oder Brot & Butter?

Im Mai mit dem Referendariat zu beginnen hat gewisse Vorteile, beispielsweise sind die Sommerferien in unmittelbarer Sichtnähe. Jedoch fast schon zu sehr – Abiturprüfungen, Kursfahrten & Praktika zerschießen den Stundenplan auf rabiate Art und Weise. In diesen effektiv sechs Wochen sind jedoch optimalerweise zwei Unterrichtsbesuche sowie ein sogenanntes EPG (Entwicklungs- und Perspektivgespräch) nach einer Unterrichtsstunde einzutakten.
Leider hat mir der Zeitplan einen Unterrichtsbesuch verweigert, ärgerlich, aber die anderen beiden Treffen waren sehr angenehmer Art. Meine Stunden waren nicht spektakulär, kein pädagogischer Budenzauber, sondern nur eine Einführung eines Hörtextes und eines grammatikalischen Phänomens. Natürlich waren die Stunden aufgepeppt, mit anregenden Folien und nicht zu stumpfsinnigen Arbeitsblättern. Wenn ich allerdings andere Referendare sehe, die mit Kugellagern oder Gruppenpuzzel hantierten, kam ich mir ein wenig altbacken vor.
Glücklicherweise fiel das Feedback nach den Stunden aber nicht so aus, im Gegenteil, es gehört eben zum Tagesgeschäft, dass solche Brot-und-Butter-Stunden durchgeführt werden müssen. Es kann nicht immer flambiert werden, so der Tenor. Seminarleiter sind also scheinbar doch keine fachdidaktischen Gottheiten, die den armen Referendar in das Methodik-Laufrad zwingen. Eine Feststellung, die beruhigt, aber natürlich gleich wieder die Frage aufwirft, ob das eine anfängliche Einstellung ist oder nicht doch im Verlauf des kommenden Schuljahres umkippt.

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2 Gedanken zu “Flambiert oder Brot & Butter?

  1. Das kann ich gut nachvollziehen, mir ist es mal ähnlich gegangen. Man kann mit viel Budenzauber (alias „Effekthascherei“) genauso vor die Wand fahren, wie mit einer weniger peppigen Stunde. Die Fachleiter zählen ja nicht die Anzahl der verwendeten Farben auf Folien, sondern sollten das Gesamtgeschehen im Blick haben. Und wenn die Brot-und-Butter-Stunde gut funktioniert – was soll der FL dann sagen? (Kugellager finde ich übrigens furchtbar gezwungen und pseudo-schüleraktiv. Darüber hinaus ist es unerträglich laut. Ich empfehle das stumme Schreibgespräch als Alternative – besonder auch, um Schüchterne einzubeziehen.)

  2. Der Artikel beschreibt die Gefühlslage gut. Unsere Fachleiterin hat uns im Seminar ein Kochrezept für das Gelingen solcher spröden Stunden mitgegeben, warum sollte man das dann also nicht in einer UB umsetzen und die Anwendung später im Gespräch kritisch analysieren?
    Eine andere Referendarin meiner Schule hat im Religionsunterricht mehrmals Kugellager eingesetzt und das dann auch von Schülern reflektieren lassen. Grundtenor: Bitte in Zukunft bleiben lassen! Im Kernseminar haben wir diese Methodik auch mal probiert, ich empfand sie ebenfalls als ungemein hektisch.

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