Blitzlicht

Zu Beginn jeder Sitzung des Kernseminars gibt es ein Blitzlicht: Die Referendare meiner und benachbarter Schulen erzählen in der Runde, was sie gerade umtreibt und wie sie sich fühlen. Während der ersten Sitzung nach den Ferien gab es ausschließlich positive Kommentare, wie „Die neue Klasse in Informatik macht einen netten Eindruck“ oder „Ich fühle mich endlich akzeptiert als Lehrer“.

Am Kopierer, im Lehrerarbeitsraum oder während der Rückfahrt von der Schule gibt es allerdings bei entsprechender Nachfrage andere Wasserstandsmeldungen: „Ich kann nicht schlafen, so sehr beschäftige ich mich mit den Dingen an der Schule“ oder „Ich muss mir echt überlegen, ob ich nach dem Ref diesen Stress noch haben will“.

Seitens der Schule und des Ausbildungsseminars gibt es eine Vielzahl an Coaching-Angeboten. Die Referendare nutzen sie halbherzig, ja, mal ein Gespräch mit dem Kernseminarleiter über Gesprächsführung oder mit dem Ausbildungslehrer über den Einsatz einer amerikanischen Debatte. Aber wer glaubt ernsthaft, dass ein Referendar seine tiefsitzenden Zweifel nach außen kommunizieren will? Die Angst vor dem in Watte packen lässt jeden seinen eigenen Weg gehen, bloss ruhig bleiben und vor allem so auf die „Anderen“ wirken. Dann kommt auch keiner auf die Idee, dass du eventuell mit dieser ganzen Situation mental völlig überfordert bist.

Falls sich jemand Sorgen macht: Ich habe gerade Spaß am Unterrichten, ehrlich 🙂