Knochenmühle

Auf Edition Flint wird mit dem Referendariat abgerechnet. Viele Punkte kommen mir bekannt vor und stören mich ebenfalls. Die dominante Rolle der Fachseminarleiter wird zu Recht kritisiert. Jedoch sollte ihnen nicht ausschließlich „der Schwarze Peter“ zugeschoben werden (macht Flint auch nicht, aber der Eindruck entsteht ein wenig). Die Kritik der Seminarleiter nach den Unterrichtsbesuchen wirkt gewiss erschlagend, aber bisher hat sie bei mir eine positive Wirkung erzielt. Eine Fachseminarleiterin sagte beispielsweise, dass ich den Schülern mehr zutrauen solle und weniger lenken sollte. Das stimmt schlichtweg und muss geändert werden, nicht nur im Hinblick auf das Examen. Wer im normalen Schulbetrieb traut sich schon, ein solches Feedback zu geben?

Im Seminar werden hohe Standards vorgegeben, aber meines Erachtens nicht um die Referendare einzuschüchtern, sondern um die Maßgabe guten Unterrichts vorzugeben. Die Probleme, die bei der Umsetzung auftreten, sind meinen Fachseminarleitern wohl bekannt und werden geduldig besprochen. Insofern finde ich Hinweise von alteingesessenen Lehrkräften, dass „man nach dem Referendariat machen könne, was man will, aber jetzt Unterricht nach Seminarstandard zeigen solle“ reichlich dumpf und wenig hilfreich. Diese Leute begreifen das Referendariat nicht als Ausbildungsphase, sondern als reine Knochenmühle. Dementsprechend sieht häufig deren Unterricht aus, einfallslos und dröge, aber aufgrund der langjährigen Erfahrung natürlich über jeden didaktischen Zweifel erhaben.

Die Politik hat übrigens auch ihren Anteil an dem schärfer werdenden Unterton: Durch die Verkürzung des Referendariats müssen Problemfelder der Referendare leider relativ schnell und direkt angesprochen werden, ein langes Abtasten ist nicht mehr möglich. Das soll natürlich nicht die Knalltüten unter den Seminarleitern entschuldigen, die eine Stunde lang eine Referendarin ihre Mängel aufschreiben lassen, aber keine Alternativen aufzeigen.

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2 Gedanken zu “Knochenmühle

  1. Pingback: Kreide kotzen – Römisch drei

  2. willi wacker

    Diesen Kommentar kann ich nur voll unterstützen. Leider ist es an vielen Schulen so, dass der normale Unterricht (als Vorbild für die LAA) so langweilig und schlecht ist, dass sie ihren geplanten Unterricht dann mit Recht als besser wahrnehmen. Leider ist so eine Stunde dann gemessen an den Kriterien guten Unterrichts aber nur Durchschnitt, dies verstehen dann LAA und Mentorin aber nicht, da sie ihren eigenen Unterricht als recht gut wahrnehmen. Es ist wie so oft: Unter den Blinden ist der Einäugige König.
    Wichtig ist in der Nachbesprechung kritische Punkte anzusprechen, Alternativen vorzuschlagen und die LAA nicht zu entmutigen ohne ihnen „Honig ums Maul zu schmieren“, denn davon haben sie auch nichts.
    Dass nicht jede „normale“ Stunde immer so gut laufen kann wie eine „Vorführstunde“ ist doch klar, die LAA sollen ja auch hier (nach langer Vorbereitung) zeigen, was sie können. Die Fachleiter können ja nicht jeden Tag kommen, dann wäre die Erwartungshaltung auf die gesehenen Unterrichtsstunden auch eine andere.

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