In Revision

Diese Woche durfte ich an dem Revisionsverfahren eines Fachseminarleiters in spe teilnehmen. Der Kandidat musste dafür an einem Tag eine Unterrichtsstunde zeigen, einen Unterrichtsbesuch begleiten sowie eine Zeitstunde einer dreistündigen Fachseminarsitzung leiten. Beim letzten Teil war ich dabei und es war eine kuriose Erfahrung.

Ich kann nun Schüler ziemlich gut nachvollziehen, die von Referendaren berichten, die in Lehrproben etwas Besonderes zeigen wollen, eine riesige Materialschlacht liefern und man dennoch als Lernender nicht weiß, was die Lehrperson jetzt eigentlich will. Nervosität ist wirklich kein Problem, das kann jeder Schüler nachvollziehen. Rechtschreibfehler sind auch kein Drama.  Aber wie kann man denn als gestandener Lehrer vergessen, Zeitangaben für die Erarbeitungsphase anzugeben? Warum wird ein Reader mit 30 Seiten Material ausgegeben, aber die Aufgabenstellung muss beim Nachbarn erflüstert werden? Aufzeigen geht ja schlecht, eine Frage wie „Ähm, wie viel Zeit haben wir denn dafür?“ oder „Können Sie nochmals die Aufgabenstellung wiederholen?“ würde wohl unweigerlich zum Nervenzusammenbruch des Kandidaten führen. So haben wir die Klappe gehalten, mehr oder weniger Halbwissen zum Thema mobilisiert sowie eine Folie am Ende präsentiert sowie und auch ein wenig diskutiert. Schöne neue Seminarwelt.

Die Frage, die sich mir stellt: Soll man einen solchen Kandidaten schützen und gute Miene zum bösen Spiel machen? War das ein einmaliger Ausrutscher oder wird eine solche Lehrperson nun Generationen von Referendaren mit wirren Anweisungen quälen?

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2 Gedanken zu “In Revision

  1. >Soll man einen solchen Kandidaten schützen und gute Miene zum bösen Spiel machen? War das ein einmaliger Ausrutscher oder wird eine solche Lehrperson nun Generationen von Referendaren mit wirren Anweisungen quälen?

    Die Frage zwar nicht an mich, aber ich hätte trotzdem keine Antwort darauf. 🙂 Bei uns gibt es kein Auswahlverfahren für Seminarlehrer (oder alle anderen Jobs), bei dem man vorher zeigen müsste, dass man etwas kann – vom Referendariat fürs Lehrersein abgesehen. Ob das ein Ausrutscher ist oder dauerhafte Wirrheit, das kann man von einem Mal jedenfalls nicht beurteilen, glaube ich.

  2. Meine Sicht dazu ist auch zwiegespalten. Das Verfahren ist natürlich zu kritisieren, diese Vorführstunden, die aber auch dazu verleiten, sehr schnell jemanden einen „schlechten Tag“ zuzugestehen und durchkommen zu lassen. Der Prüfling hat übrigens mit Bestnote bestanden, für mich anhand der Seminarsitzung eine unverständliche Benotung, weil abgesehen von der Nervosität strukturelle Mängel vorhanden waren, die man durch eine anständige Vorbereitung hätte vermeiden können.

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