Bequem auf dem Sofa

Quasi mit dem Einläuten der Ferien habe ich meiner Italienisch-Anfängerklasse noch eine Schreibaufgabe mitgegeben. Da wir gerade das Thema „Venedig“ behandeln, sollten die Schüler via Couchsurfing eine Anfrage für eine Unterkunft an einen Venezianer stellen. Also ein Profil kopiert, leicht mit Gimp bearbeitet und in ein Arbeitsblatt mit erläuternden Hinweisen eingefügt. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass viele Schüler diese Reisemöglichkeit kennen und Interesse daran hätten, via CS in der Welt herumzutingeln. Pustekuchen, mir wurde gleich aufgetragen, wie gefährlich das sei, was alles passieren könnte… Eine Kollegin meinte dann auch später, dass Couchsurfing eher etwas für Studenten sei oder generell für Personen, die nicht hinter jedem Fremden gleich eine Horrorgeschichte erwarten.

Abgesehen vom realen Interesse an CS sollten die Schüler trotzdem eine Nachricht schreiben, jedoch nicht auf Papier, sondern in einem Word/OpenOffice-Dokument. Dies hat viele Vorteile, weniger Papier natürlich, aber ich schätze noch vielmehr die Korrekturmöglichkeiten mit Hilfe der Kommentar-Funktion. Wir erspraren uns das Rumgeschmiere an Seitenrändern, bei JochenEnglish werden die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes noch wesentlich detailreicher behandelt.

Die ersten Briefe (komischerweise von eher leistungsschwachen Schülern) sind eingetrudelt und die Ergebnisse sind etwas ernüchternd, in zweierlei Hinsicht. Zum einen machen die Schüler ganz simple Fehler bei Phänomenen, die wir x-fach behandelt haben. Gut, das ist Alltag beim Fremdsprachenunterricht an der Schule. Als viel gravierender sehe ich das Problem an, dass gerade die leistungsschwächeren Schüler sich zumindest teilweise auf Google Translator verlassen und somit die Möglichkeit zur Übung verpennen. Bei eventualitaetswabe wird insbesondere auf das Problem eingegangen, dass diese Programme doch brauchbar erscheinende Ergebnisse produzieren. Trotzdem sind die Übersetzungen, gerade auf dem Anfänger-Niveau, relativ leicht zu entlarven. Wenn ein Schüler plötzlich den Konjunktiv benutzt, muss er mindestens im Zweiten Lernjahr sein. Ansonsten kennt er das Phänomen nicht, wenn er nicht gerade ein Experte romanischer Sprachen ist.

Ich finde es schwierig, konstruktiv mit diesen neuen technischen Möglichkeiten umzugehen. Google Translator ist ein mächtiges Werkzeug und kann in alltäglichen Situationen äußerst nützlich sein („Was schreibt der rumänische Reiseveranstalter da?“). Handelt es sich bei den Übersetzungen schon um Plagiate? Ich möchte eigentlich keine Klausel einbauen, die verbietet, neue Redemittel für die Bewältigung der Hausaufgabe zu recherchieren. Es wäre selbstwidersprüchlich, schließlich sollen gute Hausaufgaben das eigenständige Lernen fördern.

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