Countdown

Noch genau ein Monat, dann ist der mit Prüfungen verbundene Teil des Referendariats beendet. Derzeit bastele ich meine Reihen und Stunden für die Unterrichtspraktische Prüfung (kurz: UPP), für das Prüfungsgespräch habe ich bisher eher oberflächlich gelernt. Es ist zunächst wohl auch wichtiger, sinnige Stunden auf die Platte zu bringen als sich in der Theorie zu ergeben. Wenn es zu schlecht in den Stunden läuft, ist das Kolloquium ja sowieso hinfällig…

Die Themen und Inhalte der Unterrichtsreihen gefallen mir eigentlich auch, ein hoffentlich vernünftiger Mix aus traditionellen Inhalten und didaktischen Schmankerln. Die Angst bleibt natürlich, dass meine Gedanken schlussendlich furchtbaren Schwachsinn darstellen und ich am Prüfungstag komplett baden gehe. Endspielatmosphäre eben! Durch die sehr erfreuliche Vorbenotung ist jedoch der Druck nicht so groß wie bei anderen Kandidaten, die schon jetzt um eventuelle Planstellen bangen. Ich versuche das entspannt zu sehen, „von Spiel zu Spiel denken“ würde man diese Einstellung beim Fußball wohl bezeichnen.

Ein bißchen Leid tun mir – wie schon bei den Unterrichtsbesuchen – die Schüler meiner Examensklassen, wenn da plötzlich für zwei Unterrichtsstunden (ja, es ist wirklich nur Unterricht!) der Stundenplan komplett umgebaut wird, auf 100-%-ige Hausaufgabenerfüllung gedrängt wird, drei Extra-Stühle mit Schul-VIPs eingerichtet werden und ja auf unsinnige Kommentare verzichtet werden soll.

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Lecker Examen

Beim letzten Artikel ging es ja vorrangig um das leibliche Wohl, ein Gesichtspunkt, der in der Schule immer wieder zum Schmunzeln anregen kann. So gibt es bei uns beneidenswert freche Kollegen, die die Tischgruppen im Lehrerzimmer systematisch nach Süßigkeiten abgrasen. Die gibt es in jeglicher Qualitätsstufe, von Edel-Tiramisus bis hin zu Discounter-Gummifröschen. Beim Wildern wird dann übrigens auch vor dem Referendarstisch kein Halt eingelegt.

Andererseits nehmen viele Referendare zu Unterrichtsbesuchen gerne einen Rotkäppchen-Korb mit, gefüllt mit Aldi-Kekstüten, grau-biederen Thermokannen und  kunterbunten Tassen für den netten Plausch mit dem Seminarleiter. Abgesehen vom sozio-ökonomischen Zweifel (ein Referendar verdient wohl zumindest weniger als die Hälfte eines Seminarleiters) scheint das der Dienstherr auch nicht zu begrüßen: Für den Abschlußtag ist es jedenfalls strikt untersagt, sich an der Bewirtung der Prüfer zu beteiligen, sprich man soll keine Brötchen am Vortag schmieren. Um dies (warum auch immer…) zu umschiffen gibt es jedoch eine Tradition unter Referendaren: Der Mitreferendar, der keine Prüfung absolviert, schmiert für den Prüfling, manus manum ungit (?). Nun überlege ich, mit was ich meine Leute beauftrage, von Parmigiana di melanzane bis hin zum Mettigel ziehe ich derzeit noch alles in Betracht.

In der Backstube

An einem der letzten Tage vor den Ferien gab es noch einen Projekttag, organisiert von der Schülervertretung. Zusammen mit zwei Kollegen boten wir einen Workshop „Internationale Kuchen“ an. Leider gibt es an unserer Schule keine Möglichkeit, irgendwo etwas zu backen oder zu kochen. „Früher“ ging das mal, wurde mir gesagt, aber jetzt muss man ausweichen. Ich finde das sehr schade, da das gemeinsame Zubereiten von Speisen (nicht nur nach John Dewey) eine spannende Erfahrung ist. Schüler werden sich vermutlich wesentlich intensiver an das gemeinsame Abendessen mit der verbrannten Lasagne und dem köstlichen Panna Cotta erinnern als an laue Restaurant-Dialoge im Klassenraum.

Im Rahmen des Projekttages sind wir jedenfalls auf eine Einrichtung der Stadt ausgewichen, mit geräumiger Lehrküche und allerlei Zubehör. Der Vorbereitungsaufwand war für uns Betreuer nicht ausufernd groß, aber trotzdem gab es ein paar Punkte zu überlegen:

  • Welche Rezepte nehmen wir? Wir hatten 16 Schüler aus verschiedenen Klassenstufen, die wir am Projekttag zum ersten Mal sahen. Ein Vorbereitungstreffen wäre natürlich besser gewesen, Schüler selber mal Rezepte suchen lassen, ging dieses Mal nicht. Ich habe dann ein wenig in der Stadtbibliothek recherchiert und aus „Jamie unterwegs – Geniale Rezepte gegen Fernweh“ haben wir eigentlich alle Rezepte übernommen, von süssem Couscous mit Pistazien und Aprikosenkompott bis hin zu schwedischen Blaubeerküchlein. Teilweise bestand jedoch erhebliche Zuckerschockgefahr!
  • Wer kocht mit wem? Das haben wir sehr einfach gehalten, jeweils drei bis vier Schüler mit einem Rezept ausgestattet und dann ging es los!
  • Wo kommen die Zutaten her? Auch hier hätte man das eigentlich auf die Schüler auslagern sollen, aber ohne Rezepte ist das natürlich schwierig. Also mussten wir die hiesigen Supermärkte und Kleinläden abgrasen, um wirklich alles im Topf zu haben. Blöd ist natürlich die Finanzierung, alles auf Vorschuss, auch die Miete für die Lehrküche (immerhin 60 Euro für den Vormittag). Bis jetzt habe ich noch keine Rückerstattung verbuchen dürfen, ist auch kein finanzielles Drama, aber das geht bei größeren Projekten schnell in einen Bereich, der für klamme Referendare kaum noch zu stemmen ist.

Spaßig war es trotzdem, ich war erstaunt, wie offen und gleichzeitig erzkonservativ Schüler nicht nur im Unterricht, sondern auch beim Essen sein können.  Zwei Jungs aus der sechsten Klassen haben das oben erwähnte Couscous zubereitet und insbesondere das Aprikosenkompott war wirklich göttlich: Sie haben die getrockneten Aprikosen eingeweicht, dann püriert und ganz spitzfindig mit Honig gesüsst, ein ganz spezielles Aroma mit den gerösteten Pistazien und dem Milch-Couscous. Für andere Schüler war diese Geschmacksexplosion aber wohl zu viel des Guten und nach zwei Bissen war Feierabend. Aber sowas muss man akzeptieren lernen, gerade in einem schulischen Umfeld, viel wichtiger; vielleicht war es für die beiden Jungs (und andere Schüler) ein Kick-Moment, weiter in der Küche emsig tätig zu sein und Lust auf neue Geschmäcker zu entwickeln!