Auswahl

Während des Referendariats habe ich nur wenige Junglehrer getroffen, die dauerhaft in der Schule wohl nicht glücklich werden. Leider waren aber gerade diejenigen Referendare oftmals extrem beratungsresistent. Ich habe dann nachgedacht, ob ich als Ausbilder einem solchen Referendaren wirklich sagen würde, dass er sich besser nach einer Alternative zum Lehrerberuf umschauen sollte. Wahrscheinlich hätte ich nicht den Mut dazu. Das ist ein Armutszeugnis, schließlich trage ich auch eine gewisse Verantwortung für zukünftige Schülergenerationen, die sich dann mit diesem Dödel auseinandersetzen müssen.

An der TU München gibt es Auswahlgespräche für angehende Lehrer. Du bist geeignet als Lehrer, du eher nicht. Ich frage mich, wie das ein externer Gutachter so schnell bewerten kann. In einer halben Stunde kann man gut blenden, oberflächlich plaudern, an der Uni ist das Problem auch bekannt. Mein Vorschlag wäre eher wie folgt: Warum sollte nicht ein ehemaliger Lehrer des Kandidaten ein Gutachten erstellen? Vielleicht könnte man das mit einem Beratungsgespräch verknüpfen. Der Student in spe könnte natürlich einen Lehrer nach Wahl bestimmen. In jedem Fall hätte man dann ein pädagogisches Profil über den Kandidaten, an dem man in Praktika und Seminaren arbeiten könnte.

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Neustart

Jetzt bin ich in der rauen Realität nach dem Referendariat gelandet – neue Stadt, Vertretungsstelle in Teilzeit, Gesamtschule und der Welpenstatus ist wohl endgültig abgestrichen. Das ist aber kein Gequängel, ich lerne noch immer jeden Tag, das ist großartig!

Nach der Prüfung bin ich nicht in ein Loch gefallen und hatte doch ordentlich zu tun: Extrem viel Vertretung für die durch eine Kursfahrt gesprengten Italienischkurse und dazu eine Hospitation an einer Grundschule. Dort alles viel bunter und auch strukturierter. Ich beneide die Kollegen und insbesondere Kolleginnen dort um ihren Bürobereich im Klassenraum. Dann kann auch eine Lernumgebung kreativ gestaltet werden, wenn man nicht ständig zwischen den Räumen hetzen muss und die Stationen eines Lernzirkels in einer dunklen Ecke eines Kursraums verbunkern muss. Es ist übrigens auch schlichtweg wahr, dass in Lehrerzimmern an Grundschulen extrem viel selbstgemachter Kuchen angeboten wird. Am Gymnasium gab es vielleicht mal Billig-Pralinen oder abgestandener Beuteltee.

Am letzten offiziellen Tag der Ausbildung gab es auch noch eine große Feier des Seminars, so wie beim Abiturball. Das war ohne Zweifel eine anständige Zeche, hätte ich einigen Kollegen gar nicht so zugetraut. Eigentlich ist es schade, dass es kein Bergfest gibt – das würde gerade den Kontakt unter den Referendaren wahrscheinlich noch mehr auflockern. An unserer Stammschule wurde ein kleiner Brunch eingerichtet und Geschenke wurden ausgeteilt, hach, das war wirklich ein sehr melancholischer Moment, weil uns das Kollegium als dufte Truppe empfunden hat. Stellen für die Zeit danach gab es leider keine, der Schweinezyklus ist knallhart.

Seit dieser Woche bin ich auf der anderen Seite und darf eine Referendarin begleiten. Als Spaß wollte ich schon ein paar Mal die typischen Ausbildersprüche bringen:

  • „Wo ist denn da der Lernertrag?“
  • „Und wie lautet die Problemfrage?“
  • „Da hast du zu sehr gesteuert!“
  • „Für einen Unterrichtsbesuch ist das ein blödes Thema, mach lieber was Schüleraktivierendes!

Mehr Sprüche in den kommenden Wochen, versprochen!