Auf die Schublade

Um 7.35 Uhr nähere ich mich dem Klassenraum der fünften Klasse, schaue in verblüffte Kinderaugen und öffne die Tür zum Klassenraum. Ich stelle meine Taschen am Lehrertisch ab und der erste wahrgenommene Kommentar einer Schülerin lautet „Sie sind unser pünktlichster Lehrer. Herr (Anmerkung: ich kenne hier zum Glück noch nicht alle Namen der Kollegen) kommt immer…“ und wird von mir blitzschnell mit einem „Wer ist eigentlich diese Woche Tafeldienst?“ unterbrochen.

Ich bin erstaunt, wie schnell man nach nur vier Wochen in eine Schublade gesteckt wird. Für andere Kurse bin ich vermutlich „der Lehrer, der immer so kleine Arbeitsblätter austeilt“, „der Typ, der sich immer seinen Pullover mit Kreide vollschmiert“ oder „der Mann mit den Hustenbonbons“. In meinem ersten Italienisch-Kurs habe ich nach wenigen Woche eine Evaluation durchgeführt. Positiv erwähnt wurden mein Tiramisù und die Verwendung von Öko-Papier, jedoch war mein Sandalen-Geschmack eindeutig ausbaufähig.

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Am Buffet

Mit den vielen neuen Kursen kann ich mich sowohl an neue Themen heranwagen als auch bewährte Methoden noch weiter ausbauen. Hier mal ein paar Beispiele aus den letzten Wochen:

  • In Italienisch werden gerade die Themen Urlaub und Sport durchgenommen, als begleitende Grammatik werden vor allem der Futur und der Imperfekt behandelt. Es ist erstaunlich, wie anregend man diese Gesichtspunkte verbinden kann. Meine Schüler haben beispielsweise die Entwicklung einer Urlaubsliebe aus dem Lied „Guardia 82“ von Brunori Sas nachgezeichnet oder mittels eines Elternabends die möglichen Probleme ihrer Zöglinge bei einer Ferienfreizeit besprochen.
  • Schön war in Italienisch auch eine Umfrage zum Thema „Sport“ bei anderen Klassen, Stichwort „Mediation“. Statistiken und Präsentationen wurden erstellt, man konnte sich auch mal wundern („Warum spielen so viele deutsche Schüler Tennis?“), zudem bietet sich dann der interkulturelle Vergleich an; wie schaut es denn in Italien aus? Also ich bin sicher, dass in Italien weniger Handball gespielt wird.
  • Derzeit betreue ich eine Praktikantin in Erdkunde, die in Klasse 5 mit voller Begeisterung ein Memory zu den Daseinsgrundfunktionen erstellt hat. Sie hat es in der Erarbeitungsphase eingesetzt, die Methode wäre wohl auch für eine Übungsphase geeignet.
  • Andere Methoden konnte ich noch nicht ausprobieren, beispielsweise bin ich sehr neugierig auf den Einsatz eines Bilderbuffets. Das hat eine Mitreferendarin in ihrer Examensstunden angesetzt und diente vor allem der Erstellung sowie Sortierung der Problemfragen der Reihe.

Voll dabei

Der erste Monat mit einer vollen Vertretungsstelle ist vorbei und ich lebe noch. Folgende Gründe sind dafür wohl wesentlich:

  • Ich werde nicht durch alle Jahrgangsstufen und Klassen gejagt. Ich unterrichte in jeder Jahrgangsstufe mindestens zwei Kurse/Klassen. Viele der angestreiften Themen hatte ich im Referendariat bereits vorbereitet, ich bin also schon durch viele Schlaglöcher gefahren und ergänze nun zielgerichtet. Einzige Ausnahme sind die 5er in Erdkunde, da muss ich noch experimentieren.
  • Das Schülerklientel ist sehr angenehm, das entlastet ungemein. In Gruppenarbeitsphasen kann ich mich auch mal zurückziehen, Hausaufgaben werden größtenteils erledigt, Schüler mit vielen Fehlstunden findet man kaum.
  • Durch die Arbeit mit dem Thunderbird-Adressbuch „Lightning“ produziere ich weniger Papierchaos als erwartet und weiß trotzdem noch, wann welche Vokabeltests geschrieben werden müssen. Das kann noch alles optimiert werden, aber es ist ein erster Schritt hin zur digitalen Strukturierung.
  • Ich habe fast ausschließlich Doppelstunden-Unterricht, kombiniert mit unterschiedlichen Stundenplänen für A-und-B-Woche. Selbst zwischen den Doppelstunden muss ich wenig umherstreifen, da ich oft im gleichen Raum unterrichte. Die Vorteile gegenüber Einzelstunden liegen auf der Hand, ich schätze insbesondere die freie Pauseneinteilung und die Ruhe beim einmaligen Aufbau von Gerätschaften (Notebook, Beamer).
  • Die Klausuren kommen erst in drei Wochen.