Lokalmatadoren

Ich bin seit über drei Wochen in den Ferien. Die Schule ließ mich aber nicht ganz los, in der Zeit habe ich wieder einen Beitrag für einen Verlag fertiggestellt sowie diverse Vorstellungsgespräche geführt. Meine ehemalige Schule war überbesetzt und jetzt kam auch eine Versetzung einer Kollegin. Der Abschied fiel mir schwer, jedoch bekam ich dabei viel positives Feedback und mehrere Präsentkorbe, ist ja die letzte Gelegenheit entweder die Wut rauszulassen oder sich zu bedanken. Mit einigen Schülergruppen traf ich mich auch zum Abendessen, leider hatten wir keine Lehrküche, aber einmal waren wir im Restaurant einer Schülerin und einmal konnten wir die Küche einer Landfrauen-Vereinigung in Beschlag nehmen, das ging jedoch nur mit Kontakten.

Die Stellenlage ist momentan etwas angespannt, jedenfalls für mich mit meinen Fächern. Ich war in den Sommerwochen bei vielen Vorstellungsgesprächen, ich muss aufgrund der Noten schon eingeladen werden. Einige Stellen waren schon vorher vergeben, mit lokalen Kandidaten, die dort bereits Vertretungslehrer waren. Nichts anderes als Seilschaften, aber ich würde als Schulleitung auch einen Kandidaten nehmen, der das Ambiente kennt. Für die anderen Kandidaten bleibt eine halbe Stunde Gespräch, ohne Aussicht auf eine Anstellung und mit dem komischen Gefühl, im Gespräch vielleicht nicht überzeugt zu haben. Die Fragen in den Auswahlgesprächen sind oft so allgemein gestellt, dass eine fundierte Antwort ohne Rückfragen kaum möglich ist („Wie reagieren sie auf einen schwierigen Schüler?“). Ich wurde routinierter bei den Antworten, habe die Aspekte genannt, von denen ich überzeugt war und von denen die Gegenüber überzeugt sein sollten, allen voran Schülerorientierung und Differenzierung. Aber das kann jeder erzählen, auch wenn er vor der Klasse zumeist doziert und schmiere Kopien in die Lerngruppe wirft. Vielleicht ist dann der Lokalmatador doch die beste Wahl.

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3 Gedanken zu “Lokalmatadoren

  1. Ich weiß auch nicht, was besser ist: Hier bei uns entscheidet – bei staatlichen Schulen – nur das Kultusministerium, und das nur nach Noten. Das ist auch nicht das ideale kriterium. Wenn man den Schulen mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten lässt, gibt es Seilschaften. (Und die können auch Nachteile haben. Ich denke mir das manchmal bei der Vergabe interner Posten.)

    1. Vielleicht müsste man ein Verfahren etablieren, dass Vorstellungsgespräche zulässt, allerdings mit Anwesenheit eines Kollegen vom Ministerium. Aber das ist wohl illusorisch.

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