Geschafft

Am letzten Freitag habe ich es endlich geschafft. Es war kein so grauenhafter Tag, wie ich es mir davor eigentlich ausmalte. Ein bisschen war es auch wie zur Fußball-WM 2006: Wochen davor nur trübes Wetter und dann auf einmal grandioser Sonnenschein und ein Schulvolk, das den lokalen Referendar mit vollem Eifer unterstützte. Grausam sind eher die letzten Tage vor dem Examen, wenn die Lehrziele auf einmal läppisch erscheinen und der Unterrichtsgang plötzlich jeglicher Logik entbehrt.

Aber selbst die Pleiten und Pannen des Tages (wie die wüsten Zwischenergebnisse der Schüler bei der Philosophie-Stunde) konnten weder mich aus der Reihe bringen noch die Prüfer zu einem brutalen Urteil bewegen. Die Italienisch-Einheit lief traumhaft und war wohl der Grund dafür, dass man in mir doch einen fähigen Lehrer sah. Das Kolloquium war wiederum pures Harakiri und ich kämpfte mich wacker durch die Mehrfach-Fragen-Serien des Fachleiters für Philosophie: „Können Sie den Begriff ‚Wert‘ erläutern? Also im Vergleich mit Tugenden! Und vielleicht auch die Bedeutung für den Unterricht heute…“ Wer wäre danach nicht völlig durch den Wind?

Gerade in solchen Prüfungsetappen zeigte sich an unserer Schule eine tolle Verbundenheit: Ältere Kollegen klopften mit den Referendaren die Examensstunden ab und richteten auch manches Mal moralisch auf, Schüler stemmten die abstrusesten Arbeitsaufträge und nach dem Examen wurde im Lehrerzimmer dann auch mal gemeinsam ein Bierchen geköpft.

Countdown

Noch genau ein Monat, dann ist der mit Prüfungen verbundene Teil des Referendariats beendet. Derzeit bastele ich meine Reihen und Stunden für die Unterrichtspraktische Prüfung (kurz: UPP), für das Prüfungsgespräch habe ich bisher eher oberflächlich gelernt. Es ist zunächst wohl auch wichtiger, sinnige Stunden auf die Platte zu bringen als sich in der Theorie zu ergeben. Wenn es zu schlecht in den Stunden läuft, ist das Kolloquium ja sowieso hinfällig…

Die Themen und Inhalte der Unterrichtsreihen gefallen mir eigentlich auch, ein hoffentlich vernünftiger Mix aus traditionellen Inhalten und didaktischen Schmankerln. Die Angst bleibt natürlich, dass meine Gedanken schlussendlich furchtbaren Schwachsinn darstellen und ich am Prüfungstag komplett baden gehe. Endspielatmosphäre eben! Durch die sehr erfreuliche Vorbenotung ist jedoch der Druck nicht so groß wie bei anderen Kandidaten, die schon jetzt um eventuelle Planstellen bangen. Ich versuche das entspannt zu sehen, „von Spiel zu Spiel denken“ würde man diese Einstellung beim Fußball wohl bezeichnen.

Ein bißchen Leid tun mir – wie schon bei den Unterrichtsbesuchen – die Schüler meiner Examensklassen, wenn da plötzlich für zwei Unterrichtsstunden (ja, es ist wirklich nur Unterricht!) der Stundenplan komplett umgebaut wird, auf 100-%-ige Hausaufgabenerfüllung gedrängt wird, drei Extra-Stühle mit Schul-VIPs eingerichtet werden und ja auf unsinnige Kommentare verzichtet werden soll.

Prüfungsvorbereitung

Gerade wird die Halbzeit der Ausbildung eingeläutet und trotzdem wurden wir schon um die Examenstermine gefragt. Die Prüfungen erfolgen zu Beginn des kommenden Schuljahres, zwischen Sommer- und Herbstferien. Diese liegen in NRW im Jahr 2013 äußerst dicht beieinander, was zu einigen organisatorischen Spannungen führt:

  • An unserer Schule sind wir ja zwölf Referendare und mehr als zwei Prüfungen pro Tag kann eine Schule organisatorisch kaum tragen. Schließlich werden pro Referendar zwei Lerngruppen terminlich neu eingetaktet. Und bei uns ist es durchaus denkbar, dass drei Leute den gleichen Termin kriegen könnten, da muss also intern eine Absprache erfolgen.
  • Bestimmte Fachseminar-Leiter sind weniger beliebt und einige scheinen doch sympathischer zu sein. Bei großen Fachseminaren mit rund 20 Teilnehmern kann dies erhebliche Kollissionen bei der Terminierung der Anwärter hervorrufen.
  • Bereits ab dem vierten Unterrichtstag (der Montag der ersten vollständigen Unterrichtswoche) ist es denkbar, das Examen abzulegen. Man wird also geprüft, wie  man einen Kurs ans Arbeiten nach den Ferien bringt. Klingt wie ein Himmelfahrtskommando, kann aber durchaus eine spannende Alternative gerade für unsichere Kandidaten sein. Was will schließlich eine Prüfungskommission einfordern, wenn nichts über die Lerngruppe bekannt ist?
  • Von den Extra-Wünschen („Ich will gerne die Q1 in Italienisch. Bitte ändern Sie nicht die Zusammensetzung der Kurses!“)  möchte ich gar nicht erst reden.

Ansonsten werden die üblichen Räuberpistolen über Examensprüfungen durch die Gegend geworfen („Eine 1 in der Vorbenotung und dann glatt durchgefallen!“), aber „Don’t panic“ würde ich mal sagen.

Catering

Gestern hat eine Referendarin ihre Prüfungsstunden sowie das Kolloquium absolviert. Eine solche Prüfung umfasst jedoch nicht nur diesen inhaltlichen Stress, sondern es gibt auch noch allerhand Nebenkriegsschauplätze. Für die Kommission müssen beispielsweise Brötchen geschmiert und Kaffee gekocht werden, wobei es Tradition ist, dass dies von Mitrefendaren organisiert wird. Ältere Kollegen kannten diese „Goldene Regel“ nicht, die Tradition muss also irgendwann in den letzten Jahren aufgekommen sein. Viele Referendare sorgen auch schon richtig vor und bieten bei jedem Unterrichtsbesuch ein kleines Buffet an: Brötchen, Muffins, Kaffee und Tee. Von den Ausbildern wird das allerdings gar nicht so gefordert („Essen Sie ruhig die Kekse, ich muss ja reden!“), bei dem beträchtlichen Gehaltsunterschied zwischen Seminarleiter und Referendar wäre dies auch ein wenig anmaßend.
Was ist sonst noch nach den Herbstferien passiert? Ich habe einen mäßigen Unterrichtsbesuch hinter mich gebracht, wobei die Nachbesprechung (wie auch bei den vorangehenden!) sehr konstruktiv war. So wurde uns deutlich, dass ich eine Aufgabe der Erarbeitungsphase sehr gut als Einstieg hätte nutzen können und somit insbesondere zeitliche Schwierigkeiten vermieden hätte. Die erste Klausur in Italienisch lief ziemlich geschmeidig, es gab auch keine bohrenden Rückfragen bei der Rückgabe. Generell: Meine Klassen und ich haben uns eingespielt, ich kann mich im Unterricht zunehmend zurücknehmen, ohne dass dadurch die Ergebnisse leiden.
Jetzt will ich mir etwas überlegen, was die stumpfsinnigen Vokabeltests ablöst. Im Seminar haben wir nette Ideen bekommen, vermutlich lasse ich freie Texte schreiben, bei denen eine bestimmte Anzahl neuer Vokabeln eingebaut werden muss. Und für die gewonnene Zeit in der Schule bieten sich wohl Spiele an, am besten mit Wettbewerbscharakter.

Auf dem Weg zum Zertifikat

Die letzten Wochen standen bei der Klassenstufe 4 (entspricht der 10. Klasse in Deutschland) ganz im Licht der Goethe-Examen. Die Teilnahme an diesen Prüfungen wird teilweise durch die Schule finanziell gefördert d.h. bei erfolgreicher Teilnahme fallen die Prüfungskosten für die Schüler weg. Jedoch sind die Mittel dafür auch nicht unbegrenzt vorhanden, daher kommen nur rund sieben Schüler jeder Klasse in den Genuss dieser kleinen Stipendien. Die Auswahl der Glücklichen erfolgte auf Basis der bisherigen Noten des Schuljahres sowie einer Simulation von drei der vier Teile des kompletten Examens (in dem Fall Leseverstehen, Hörverstehen, Schreiben). Ein vernünftiger Qualifikationsmodus, wie ich finde.
Man merkt während der Vorbereitungen, dass die Schüler auch mit einer erhöhten Konzentration an diese Prüfungen herangehen. Es gibt mehr Rückfragen, wie etwas richtig geschrieben wird, Korrekturen werden nun andächtig notiert. Viele Kollegen fühlen sich bestätigt: Sobald es um Noten oder Zertifikate geht, arbeiten die Schüler wirklich gut mit. Sobald aber diese Atteste wegfallen, geht die Konzentration flöten und verfällt anscheinend zu oft in Lethargie. Auch seitens der Eltern wird nun übrigens öfters nach Cambridge, DELF oder Goethe gefragt. Die Teilnahme an diesen Prüfungen gilt als ein Pluspunkt einer Schule und kann bei der Werbung neuer Schüler ein gewichtiger Faktor sein. Selbst Aufkleber mit entsprechen Hinweisen, wie man sie eigentlich sonst nur in Restaurants oder Geschäften findet, sieht man nun öfters an Schultüren.

In jedem Fall habe ich für die möglichst optimale Vorbereitung der mündlichen Prüfungen einige Dokumente erstellt, die eventuell auch für andere Teilnehmer von Interesse sein können:

  • Für die Prüfung „Goethe-Zertifikat B1“ habe ich selbst zwei Aufgabenblöcke erstellt, die sich im Teil 2 mit den Themen Sport und Urlaub beschäftigen.
  • Um gut durch die Prüfung „Goethe-Zertifikat B2“ zu kommen, haben meine Schüler ein Arbeitslatt mit Redemitteln erhalten.