Am Buffet

Mit den vielen neuen Kursen kann ich mich sowohl an neue Themen heranwagen als auch bewährte Methoden noch weiter ausbauen. Hier mal ein paar Beispiele aus den letzten Wochen:

  • In Italienisch werden gerade die Themen Urlaub und Sport durchgenommen, als begleitende Grammatik werden vor allem der Futur und der Imperfekt behandelt. Es ist erstaunlich, wie anregend man diese Gesichtspunkte verbinden kann. Meine Schüler haben beispielsweise die Entwicklung einer Urlaubsliebe aus dem Lied „Guardia 82“ von Brunori Sas nachgezeichnet oder mittels eines Elternabends die möglichen Probleme ihrer Zöglinge bei einer Ferienfreizeit besprochen.
  • Schön war in Italienisch auch eine Umfrage zum Thema „Sport“ bei anderen Klassen, Stichwort „Mediation“. Statistiken und Präsentationen wurden erstellt, man konnte sich auch mal wundern („Warum spielen so viele deutsche Schüler Tennis?“), zudem bietet sich dann der interkulturelle Vergleich an; wie schaut es denn in Italien aus? Also ich bin sicher, dass in Italien weniger Handball gespielt wird.
  • Derzeit betreue ich eine Praktikantin in Erdkunde, die in Klasse 5 mit voller Begeisterung ein Memory zu den Daseinsgrundfunktionen erstellt hat. Sie hat es in der Erarbeitungsphase eingesetzt, die Methode wäre wohl auch für eine Übungsphase geeignet.
  • Andere Methoden konnte ich noch nicht ausprobieren, beispielsweise bin ich sehr neugierig auf den Einsatz eines Bilderbuffets. Das hat eine Mitreferendarin in ihrer Examensstunden angesetzt und diente vor allem der Erstellung sowie Sortierung der Problemfragen der Reihe.
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Abgerockt

Mit Mantel und Schal saß mein Ausbildungslehrer am Tisch, während ich die Schüler mit Vokabel-Activity bespaßte. Nicht einmal die Stoppuhr konnte er mehr richtig bedienen. Am Vorabend lief sein Weihnachtskonzert ohne große Pannen durch – die armen Musiklehrer kriegen am Ende des Jahres richtig das Fett weg und sind dementsprechend auch abgerockt.

Ich freue mich jetzt auf Ferien ohne …

  • Weihnachtsfeiern mit mehrstünden Vorträgen und Inszenierungen,
  • Ausbildungslehrer (nicht der obige!), die scheinbar einen Persilschein für das Äußern von Kritik an Referendaren haben, aber keinen Deut davon selbst umsetzen können,
  • Unmengen von Spekulatius im Lehrerzimmer,
  • Kommentare wie „Nur noch x Tage/Wochen bis zu den Ferien!“ oder Fragen wie „Fährst du Ski in den Weihnachtsferien?“

Frohes Fest euch allen!

In der Mitte der Ferien

Jetzt ist knapp die Hälfte der Ferien vorbei und ich habe bisher relativ viel Zeit in die Vorbereitung des neuen Schuljahres gesteckt. Dies umfasst aber nicht nur die direkte Vorbereitung der Reihen mit ausgestalteten Arbeitsblättern.  Ich mag es, dass die Ferien hier ein wenig Freiheit ermöglichen, auch mal irgendwelche Aufsätze von Karl Popper zu lesen, die nicht relevant für die nächste Unterrichtsstunde sind und deshalb didaktisiert werden müssen. Die Frage „Kann ich das im Unterricht gebrauchen?“ muss ich mir nicht stellen, aber wenn trotzdem mal etwas abfällt, ist es umso netter.

Leider ist der Materialaustausch zwischen den Referendaren eher dürftig, obwohl wir im Seminar Philosophie sogar eine eigene Dropbox installiert haben. Ich glaube, dass es dafür mehrere Gründe gibt: Angehende Lehrer sind zum einen wohl doch nicht so kreativ und emsig, wie man sich das gerne vorstellen würde. Ich bin immer wieder erstaunt, wie man für ein selbst erstelltes Arbeitsblatt beinahe schräg angeschaut wird und wie viel Zeit das doch kosten würde. Ein Indiz, dass der Aufwand allgemein doch eher gescheut wird. Und dann besteht das klassische Dilemma, dass die anderen Referendare nur den Rahm abschöpfen und selbst aber wenig (brauchbares) Material zur Verfügung stellen, so dass der eigene Vorteil eher gering ausfällt.

Mir wurden für das anstehende Schuljahr zwei Klassen in Philosophie und eine Klasse für Italienisch zugewiesen, was eine nette Mischung darstellt, da ich in beiden Fächern trotzdem quasi eine annähernd gleiche Stundenanzahl habe (4+5). Viele Referendare mit Geschichte im Paket haben dieses Glück nicht, teilweise müssen sie sich mit AGs abfinden oder werden durch die kümmerliche Stundenzahl des Faches (meistens zwei Stunden pro Woche) zu drei verschiedenen Klassen geschickt.

Kernige Seminare

Ich mag meinen Kernseminarleiter, denn er hat keinen leichten Job: Er muss sich um Referendare kümmern, die an verschiedenen Schulen unterrichten, die absurdesten Fächerkombinationen haben und in ihrer pädagogischen Philosophie stark voneinander abweichen.

Besonders auffällig war das bei der Sitzung zu Unterrichtsstörungen: Einige Referendarinnen wollen anscheinend einen Katalog oder vielleicht besser ein Computerprogramm, das ihnen sagt, wie sie wann entsprechend reagieren müssen. Intuition gibt es bei diesen Lehrkräften nicht. Unser Seminarleiter versuchte aber deutlich zu machen, dass es natürlich Leitideen, aber keine Patentrezepte bei Störungen gibt. Trotzdem wurden immer wieder Fragen nachgeschoben wie „Was mache, wenn in der 7- Klasse in Latein am Freitag ein Schüler sagt, dass das Arbeitsblatt langweilig ist?“. Jedoch kann man in einem solchen Umfeld nicht wirklich offen seine Meinung über solchen Frage kundtun, innerlich schwanke ich zwischen Kopfschütteln und Zynismus. Unser Kernseminarleiter wählt keinen dieser Wege und antwortet gelassen auf jene Einwürfe, meine Bewunderung für diese Ruhe.

Die Seminare sind übrigens auch kuscheliger als ich so dachte. Mit dem Kernseminar gingen wir zum Grillen in den Park und bei einem Fachseminar haben wir in der Wohnung der Seminarleiterin gekocht und gemütlich auf dem Balkon gegessen. Viel wurde über Urlaubspläne gesprochen, der typische Referendar sucht dabei zunächst die bundesweit verstreuten Freunde ab und ergibt sich dann eine Woche der Sonne Südeuropas. Könnte wilder sein, aber auch kleinbürgerlicher.