Schleudergang

Das System Schule hat den Schleudergang eingestellt, also unter einem gewaltigen Tempo alles ins Trockene bringen. Diese Woche habe ich nur drei Stunden Unterricht gegeben, trotzdem waren die Tage gut bepackt.

Zwei Mal Schulmusical am Abend d.h. pünktlich zum Schminken in die Hallen eintreten, aber dann bis zur vorletzten Szene warten müssen. Und das bei sechs Aufführungen, weil die Zweitbesetzung (ein Kollege!) eingetragen ist, aber nicht zu Proben und Besprechungen kommt. Aber das Spektakel, das die Schüler initiiert haben, ist großartig, solche Mammutprojekte im Schulalltag zu entfalten ist eine Herkulesaufgabe.

Am Dienstag und Freitag standen Tagungen zu meinen Fächern an, einmal mit Fachleitern und einmal mit Referendaren als Präsentierende. In Italienisch durfte ich sogar zum Thema „Digitale Hausaufgaben“ referieren, hat Spaß gemacht, da der Austausch in einer kritisch-konstruktiven Atmosphäre stattfand. Oft habe ich den Eindruck, dass (angehende) Lehrer entweder auf Kuschelmodus getrimmt sind oder sich bestialisch ankeifen. Was mir bei solchen Veranstaltungen auch auffällt ist die Liebe mancher Referendare zu ihrem Smartphone. Da werden Taschen als Barrieren auf den Tisch gelegt, um in Ruhe Nachrichten verschicken zu können oder es wird ganz offen damit herumgespielt. Das war schon ganz skurril, als ich über den Lebensweltbezug des Themas schwadronierte und hinzufügte, dass auch viele Referendare damit ihre Erfahrungen haben.

Das Schlimmste dieser Woche war übrigens das Eintragen der Noten mit Fehlstunden, eine bürokratischere Arbeit gibt es vermutlich nicht.

Mit dem letzten Tropfen Sprit

Ein Großteil der Referendare meiner Schule hat ihren zweiten Unterrichtsbesuch hinter sich und für viele war es eine enorme Ernüchterung. Einstündige Brandreden gehörten anscheinend zum Standardprogramm der Ausbilder, insofern ist die Moral der Truppe momentan am Boden. Überflieger gibt es natürlich auch, ich gehöre nicht dazu, glaube ich zumindest. Das größte Problem von „uns Referendaren“ ist vermutlich gar nicht so sehr die plötzlich einsetzende hohe Arbeitsbelastung, sondern eher das Abschütteln von Gedanken, die sich um das Thema „Schule“ drehen: Was muss ich noch für den Grundkurs vorbereiten? Wie gestalte ich die Klausur im November? Wieso kriegen meine Schüler keine vernünftige Interpretation auf die Reihe? Wie ist es zu verhindern, dass 20 % prinzipiell keine Hausaufgaben macht? Das saugt und führt dazu, dass die Ferien wie eine Oase der Glückseligkeit und Gedankenlosigkeit herbeigesehnt werden.

Gestern noch ein interessantes Gespräch mit einer frischgebackenen Lehrerin über das Thema „Fortbildung“ gehabt: Sie meinte, dass zwar eine Unmenge zu Mobbing und Binnendifferenzierung angeboten wird, aber auf inhaltlicher Ebene relativ wenig passiert. Sie bemängelte das für die Biologie und ich kann das insofern bestätigen, dass ich für Italienisch bisher noch nirgends präzis ausgerichtete Fortbildungsangebote gesehen habe. Oder ich bin schlichtweg mies informiert, kann natürlich auch sehr wohl sein.