Lecker Examen

Beim letzten Artikel ging es ja vorrangig um das leibliche Wohl, ein Gesichtspunkt, der in der Schule immer wieder zum Schmunzeln anregen kann. So gibt es bei uns beneidenswert freche Kollegen, die die Tischgruppen im Lehrerzimmer systematisch nach Süßigkeiten abgrasen. Die gibt es in jeglicher Qualitätsstufe, von Edel-Tiramisus bis hin zu Discounter-Gummifröschen. Beim Wildern wird dann übrigens auch vor dem Referendarstisch kein Halt eingelegt.

Andererseits nehmen viele Referendare zu Unterrichtsbesuchen gerne einen Rotkäppchen-Korb mit, gefüllt mit Aldi-Kekstüten, grau-biederen Thermokannen und  kunterbunten Tassen für den netten Plausch mit dem Seminarleiter. Abgesehen vom sozio-ökonomischen Zweifel (ein Referendar verdient wohl zumindest weniger als die Hälfte eines Seminarleiters) scheint das der Dienstherr auch nicht zu begrüßen: Für den Abschlußtag ist es jedenfalls strikt untersagt, sich an der Bewirtung der Prüfer zu beteiligen, sprich man soll keine Brötchen am Vortag schmieren. Um dies (warum auch immer…) zu umschiffen gibt es jedoch eine Tradition unter Referendaren: Der Mitreferendar, der keine Prüfung absolviert, schmiert für den Prüfling, manus manum ungit (?). Nun überlege ich, mit was ich meine Leute beauftrage, von Parmigiana di melanzane bis hin zum Mettigel ziehe ich derzeit noch alles in Betracht.

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Nach dem UB

… ist vor dem UB. Vorgestern wurde ich in Philosophie abgeklopft. Kernstück war eine Amerikanische Debatte, die vom methodischen her sehr flüssig lief, aber inhaltlich nicht am Maximum war. Gute Stunde, nicht mehr, nicht weniger. Nach der Besprechung ging es direkt wieder in den Unterricht, ich fühlte mich wie ein angezählter Boxer, ziemlich platt. Aber man lernt wirklich mit der Zeit, trotz solcher widrigen Umstände noch erträglichen Unterricht zu halten.

Am Mittwoch gibt es jedoch schon den nächsten Unterrichtsbesuch, dieses Mal in Italienisch. Für den Fall gilt eigentlich der Spruch „Der Star ist die Reihe“. Die einzelne Stunde ist inhaltlich durchaus ansprechend, aber die Reihe hat mehr Feuer. Da ist es wirklich schade, dass die Seminarleiter nur zu einzelnen Brocken kommen und sich nicht einen längerwährenden Blick gewähren können.

Kernige Seminare

Ich mag meinen Kernseminarleiter, denn er hat keinen leichten Job: Er muss sich um Referendare kümmern, die an verschiedenen Schulen unterrichten, die absurdesten Fächerkombinationen haben und in ihrer pädagogischen Philosophie stark voneinander abweichen.

Besonders auffällig war das bei der Sitzung zu Unterrichtsstörungen: Einige Referendarinnen wollen anscheinend einen Katalog oder vielleicht besser ein Computerprogramm, das ihnen sagt, wie sie wann entsprechend reagieren müssen. Intuition gibt es bei diesen Lehrkräften nicht. Unser Seminarleiter versuchte aber deutlich zu machen, dass es natürlich Leitideen, aber keine Patentrezepte bei Störungen gibt. Trotzdem wurden immer wieder Fragen nachgeschoben wie „Was mache, wenn in der 7- Klasse in Latein am Freitag ein Schüler sagt, dass das Arbeitsblatt langweilig ist?“. Jedoch kann man in einem solchen Umfeld nicht wirklich offen seine Meinung über solchen Frage kundtun, innerlich schwanke ich zwischen Kopfschütteln und Zynismus. Unser Kernseminarleiter wählt keinen dieser Wege und antwortet gelassen auf jene Einwürfe, meine Bewunderung für diese Ruhe.

Die Seminare sind übrigens auch kuscheliger als ich so dachte. Mit dem Kernseminar gingen wir zum Grillen in den Park und bei einem Fachseminar haben wir in der Wohnung der Seminarleiterin gekocht und gemütlich auf dem Balkon gegessen. Viel wurde über Urlaubspläne gesprochen, der typische Referendar sucht dabei zunächst die bundesweit verstreuten Freunde ab und ergibt sich dann eine Woche der Sonne Südeuropas. Könnte wilder sein, aber auch kleinbürgerlicher.

Räuberpistolen

Die letzte Woche durfte ich mich an den Schulen meiner Fachseminarleiterinnen tummeln, ein paar Doppelstunden hospitieren, diese reflektieren und teilweise eigene Einheiten planen. Hört sich nach drei entspannten Stunden pro Tag an, kann sich aber mit diskussionsfreudigen Kollegen entweder zu einer zähen oder einer spannenden Auseinandersetzung entwickeln.

Heute war wieder ein gewöhnlicher Seminartag, Kernseminar und die zwei Fachseminare. In der ersten Veranstaltung sollten wir eine erste Stunde mit einer neuen Klasse simulieren, wobei diese sich dann wieder auf die ersten fünf Minuten beschränkte. Ich war überrascht, dass sich kaum ein Referendar freiwillig meldete, insofern ging dann eben mein Finger nach oben. Für die Vorstellung habe ich eine erste Italienisch-Stunde simuliert und bei der Vorbereitung habe ich vor allem auf die Ausführungen bei der Spanischlehrerin gesetzt. Lief ziemlich geschmeidig, positiv hervorgehoben wurde vor allem der Aspekt, dass zunächst einmal inhaltliche Aspekte angesprochen wurden und nicht gleich organisatorische Dinge in die Klasse geschleudert wurden.
Ansonsten sind auch Seminarleiter vor Unterrichtsbesuchen nicht sicher, Kommentar eines anderen Referendars: „Hört das denn nie auf?“ Hoffen wir mal, dass dieser Besuch heute keinen angstmachenden Hintergrund hat, genug Räuberpistolen über heimtückische Seminarleiter sind ja schon im Umlauf.