Mehr Kuchen

In meinen EF-Kursen habe ich letzte Woche die Quartalsnoten verteilt. Ich bin ein sehr gnädiger Verteiler von Noten zur Sonstigen Mitarbeit, die mieseste Zensur war eine 4.

Als Kontrast zu dieser Bewertung sollten die Schüler auch mich bewerten, natürlich „anonym“ (so weit es die Schrift erlaubt). Ich ging also die letzten Minuten raus, um die Quartalsnoten zu besprechen. In der Zwischenzeit durften die Schüler ihre Bewertung schriftlich festhalten.

Markantes von der Positiv-Seite: Tiramisù und Kuchen (jeweils nach den Unterrichtsbesuchen verteilt), Vorbereitung, Erklärungen, Klassenarbeit, abwechselungsreicher Unterricht, Internet-Hausaufgaben, neue Schuhe, Partner- und Gruppenarbeit.

Negativ: zu wenig Kuchen, Unterforderung im Italienischkurs (hätte ich nicht gedacht), zu viele Arbeitsblätter, Sandalen, schwierige Texte (im Philosophiekurs), zu viele Methoden, Partner- und Gruppenarbeit.

Mich freut zunächst, dass nichts Gravierendes auf dem Negativ-Konto steht (kann sich keine Schülernamen merken, zu streng, zu lasch, schlechte Erklärungen, Bewertung unklar…).  Auf der anderen Seite frage ich mich, wie ich die genannten Mängel ausgleichen kann. Es wird beispielsweise schwierig, mehr Binnendifferenzierung nur mit dem Lehrbuch zu betreiben. Dazu brauche ich häufig selbst gestaltete Arbeitsblätter. Und bei Themen wie Partnerarbeit oder Spielen scheidet sich die Schülerschaft, das würde ich nur sehr ungern einer meuternden Klasse  zuliebe opfern.

Morgen kommt mein Kernseminarleiter und schaut sich meine Italienisch-Klasse an. Ich bin auf die anschließende Besprechung gespannt. Und am Donnerstag ist dann Halbzeit bei den Unterrichtsbesuchen. Musikalische Empfehlungen meines Betreuungslehrers dazu: „Depressionen aus der Hölle“ oder „Was hat dich bloß so ruiniert“ von den Sternen.

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Finger hoch

Ein schönes Beispiel, dass viele Referendare von ständiger Panik durchdrungen sind, besteht in der Verteilung der mündlichen Noten. Einige Jungkollegen meiner Schule schreiben nach jeder Stunde akribisch auf, wer sich wann gemeldet hat. Die Qualität des Beitrages wird natürlich ebenfalls bemessen, von Reproduktion bis Transfer. Keine Frage, eine gewisse Objektivität bei der Verteilung der mündlichen Noten soll natürlich gegeben sein, aber hier scheinen doch einige Referendare über das Ziel hinauszuschießen. Ich aktualisiere einmal pro Woche meine Aufzeichnungen und dies erscheint mir gelegentlich relativ nichtssagend, wenn in einer Klasse bei jeder zweiten Frage 15 Finger hochgehen. Soll ich dann denjenigen bestrafen, der von mir mal schlichtweg übersehen wird, weil er im toten Winkel des Klassenzimmers sitzt?

Vor den Ferien habe ich mit jedem einzelnen Schüler meiner Kurse ganz kurz über die „Sonstige Mitarbeit“ geredet. Meine Äußerungen wiederholten sich an einigen Stellen, trotzdem wollte kein Schüler minutiös in Erfahrung bringen, wie sich seine Note zusammensetzt. Ich hatte übrigens nicht erwartet, dass die Schüler die Selbstevaluation ihrer SoMi-Note eher als Farce denn als Mitbestimmung ansehen. Vielleicht spielt hier auch ein wenig Angst mit, sich mit der Selbsteinschätzung bei der Lehrkraft vollkommen lächerlich zu machen.