Dazwischengeschoben

Ein gravierendes Problem bei der derzeitigen Referendarsaubildung ist die Organisation des Ausbildungsunterrichts. Neun Stunden völlig eigenständiger Unterricht sind wirklich toll, ich kann in Ruhe Methoden und Themen zirkulieren lassen, ohne dass das mal irgendjemand beobachtet oder kommentiert. Das entlastet. Nicht falsch verstehen, Kritik ist wichtig und genau das ist der Punkt. Die zusätzlichen Ausbildungsstunden sind ein einziger Krampf und das liegt nicht (vorrangig) an Spannungen mit dem Fachlehrer, sondern an der Organisation der Stundenpläne.

Mein Fall: Ich habe zwei Außenseiter-Fächer, die aufgrund von Kooperationen auch gerne in entsprechende zeitliche Schienen gelegt werden. Dies hat zur Konsequenz, dass neben dembedarfsdeckenden Unterricht (bdU) häufig gleichzeitig andere Kurse des gleichen Faches laufen, die ich natürlich nicht besuchen kann. Dazu kommt, dass ich aufgrund des Studienseminars am Montag nur bis maximal 12 Uhr in der Schule sein kann. Ohne Probleme kommen wir also auf rund 15 Stunden potenziellen Ausbildungsunterricht, den ich aufgrund anderer Verpflichtungen nicht verfolgen kann. Derzeit bin ich in zwei zusätzlichen Kursen aktiv, bei denen ich nur die Hälfte des Unterrichts sehe. Das sieht dann beispielsweise so aus: Die Einzelstunden am Montag und Dienstag fallen für mich flach, da unterrichtet der Kollege, am Donnerstag übernehme ich die Doppelstunde.

Meine Fragen dazu: Wie soll ich da zeigen, dass ich eine Unterrichtsreihe vernünftig in die Praxis umsetzen kann? Wie kann ich ein angemessenes Verhältnis mit den Schülern aufbauen, wenn ich in den Ausbildungsklassen nur Gastspielauftritte habe? Warum werden unzählig viele Regeln aufgestellt, wo und wann ein Unterrichtsbesuch erfolgen soll? Natürlich ist es sinnvoll, ein breites Spektrum an Inhalten und Methoden zu zeigen, aber muss man beispielsweise festlegen, dass der dritte Unterrichtsbesuch in der Sekundarstufe II stattfinden soll?

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Anstrengend

Zwar sitze ich gerade an der Planung meines ersten Unterrichtsbesuches, aber noch bin ich nicht am Freidrehen. Im Gegenteil, die systematische Beschäftigung mit einer Stunde hat schon etwas von emsig betriebener Sezierung, verrückter Biologe lässt grüßen. Fast schon freue ich mich auf die harsche Kritik der Seminarleiterin nach meiner dann doch nicht wirklich gelungener Stunde. Ich werde einer der ersten Kandidaten unserer Schule sein, die sich dem Scherbengericht der Seminarleiter stellen. Andere Referendare haben gar nicht diese Möglichkeit zur Verfügung und müssen sich bis zum nächsten Schuljahr gedulden, da für deren Seminare keine geeigneten Lehrkräfte aufzufinden sind.
Aber anstrengend finden es generell alle Referendare, auch wenn die Geisteswissenschaftler nicht-sprachlicher Richtungen wohl am meistens zu kämpfen haben. Der Wissensvorsprung ist nicht außerordentlich groß und schnell kommt die Angst vor dem kecken Schüler auf. Dies wird wohl ein ewiger Kampf bleiben, so hat es jedenfalls unser Kernseminarleiter bestätigt. Trotz aller Klagen bin ich jedoch beeindruckt, wie methodisch nützlich dieses „Stahlbad“ dann doch bisher war. Ich glaube, dass man diese alltäglichen Aha-Effekte stärker in den Vordergrund rücken sollte, dann würde sich viel lächerliches Gejammer erübrigen.

Aufgalopp

Einige Tage als Referendar liegen nun hinter mir und eine Frage kann ich schon nicht mehr hören: „Was ist Ihre Fächerkombination?“ Dicht folgen „Wo haben Sie eigentlich studiert?“ und „Warum sind Sie denn nach XY gekommen?“. Eine altgediente Lehrerin erzählte mir heute, dass man früher[tm] das Referendariat eigentlich ausschließlich in dem Bundesland ableistete, in dem man auch studierte. Wenn ich dies als Maxime hätte, könnte ich wahrscheinlich noch so drei Jahre in der sozialen Hängematte liegen oder müsste bei zersprengten Vertretungsjobs meinen Unterhalt erarbeiten. In Nordrhein-Westfalen ist jedoch die Situation wesentlich komfortabler, insofern waren bei den Einführungstagen fast nur Landeskinder anzutreffen, die jedoch relativ verblüfft von den Gästen aus Fern-Ost waren.
Die Verkürzung des Referendariats auf 18 Monate war nicht nur bei Kreide fressen ein Thema, sondern wurde auch von unseren Ausbildern in die Runde geworfen. „Den Druck möglich klein halten“ trotz eines zeitnahen Unterrichtsbesuches, verbunden mit dem freundlich-bestimmten Hinweis, möglichst geschwind vom Hospitieren zum Hantieren überzugehen. Aber jetzt geht es erst einmal mehrere Tage zu den diversen Seminaren, bevor man sich dann auf der echten Schaubühne präsentieren darf.