Muttermilch

Während meiner Vertretungsstelle habe ich zum ersten Mal mit italienischen Muttersprachlern im Unterricht zu tun. Der erste Befürchtung war natürlich, dass sie sich über mein Italienisch lustig machen werden. Passiert eigentlich nicht, die Schüler sind sehr verständnisvoll und geben an, wenn Konstruktionen ihrer Meinung nach unüblich sind. Umgekehrt gebe ich ihnen Hinweise, wenn sie schlampig schreiben, also Objektpronomen verwechseln oder den Konjunktiv unter den Tisch fallen lassen.

Problematisch ist eher die Vermittlung der Grammatik. Im Kurs des zweiten Lernjahres müssen viele neue Phänomene eingeübt werden, welche die italienischen Schüler intuitiv korrekt anwenden, aber sie können im Gegensatz zu den deutschen Schülern nicht ausreichend begründen, warum da ein direktes oder indirektes Objektpronomen gesetzt werden muss. Sollte man das dennoch einfordern? Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass sie sich bei solchen Reiheninhalten besonders langweilen.

In meinem Q2-Kurs sind drei Muttersprachler dabei, aber leider sehr viele sprachlich verunsicherte Schüler. Dadurch ergeben sich in vielen Unterrichtsphasen erhebliche Probleme: Im Unterrichtsgespräch liegt der Redeanteil bei den Muttersprachlern und in Gruppenarbeiten verlassen sich die leistungsschwachen Schüler komplett auf die „Italiener“. Eine Kollegin hatte mir empfohlen, dann eine reine Muttersprachler-Gruppe bilden zu lassen. Gar nicht so dumm, weil hier wohl das Lernen-durch-Lehren-Prinzip nicht mehr greift. Übermorgen geht es in das Museum und ich werde da wohl die Gruppen entsprechend splitten.

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